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New Yorker Bronx und Groß-Rohrheimer Hintergasse

Vom Packer in der Speckfabrik zum Professor

Heidi Schließer-SekullaFriedrich Ulfers verbringt viel Zeit in Groß-Rohrheim. Die Kirche liegt ihm am Herzen, deshalb gibt er Geld für die Sanierung.

GROSS-ROHRHEIM. »Wo geht es denn zum Herrn Ulfers?« »Zum Professor? Da müsse se do lang und dann links erum«, ruft ein Anwohner. Jeder kennt ihn. Einer aus New York, der seine vorlesungsfreie Zeit und die Feiertage seit Jahrzehnten im Dorf verbringt. Und für die Sanierungsarbeiten der Kirche einen Batzen Geld spendet.

Was treibt Friedrich Ulfers von New York nach Groß-Rohrheim? Und das auch noch regelmäßig? Zunächst mal die familiäre Bindung. Seine Mutter Auguste, geborene Schweickert, wurde 1915 in Groß-Rohrheim in der Hintergasse 3 geboren. Schon Ende der 1920er Jahre wanderte ihre Schwester Elisabeth nach Amerika aus. Auguste und ihren Mann Franz Ulfers zog es zunächst nach Gießen, wo Friedrich Ulfers am 18. Oktober 1934 das Licht der Welt erblickte. Von 1940 bis 1944 besuchte er dort die Goethe-Schule und von 1945 bis 1951 das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Im Oktober 1951 wanderte er mit seinen Eltern auf Einladung der Schwester seiner Mutter und des Bruders seines Vaters in die Vereinigten Staaten nach New York City aus.

Niemand glaubt zu der Zeit an ein Wirtschaftswunder

»Für mich war das mit 17 Jahren ein großes Abenteuer und ich habe mich drauf gefreut«, erzählt der beinahe 83-Jährige. »Für meine Eltern war es eine existenzielle Entscheidung.« Niemand habe damals an ein deutsches Wirtschaftswunder geglaubt. Die neuntägige Anreise mit dem Schiff glich einem Martyrium. Vor allem für Ulfers Mutter, die, gebeutelt von den berüchtigten Oktoberstürmen, nonstop seekrank war. Tante und Onkel hatten die Ankunft gut vorbereitet. Familie Ulfers bezog eine kleine Wohnung in Washington Heights. Vater Franz hatte sofort eine Anstellung als Konditor in einer Bäckerei, geführt von deutsch-jüdischen Flüchtlingen. Die Englischkenntnisse mussten bei allen dreien wachsen, aber die Willkommenskultur der Amerikaner hat einiges erleichtert. »Selbst mit deutschem Akzent war es kein Problem, anzukommen«, so Ulfers.

Trauer um den Verlust, aber Hass erlebt er nicht

Die Familie arbeitete hart, um die Schulden, die durch die Reise und den Neuanfang entstanden waren, abzubauen. »Onkel und Tante bürgten für uns«, erklärt Ulfers. »Es war wichtig, sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen.« Beruflich und privat mussten alle mit anpacken. Er wächst ganz selbstverständlich in die multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft hinein. Der junge Mann hat viele jüdische Freunde und lernt viel über deren Kultur. Er nimmt Anteil an ihrem Schicksal, an den schrecklichen Ereignissen, weswegen sie Deutschland verlassen mussten. »Es war Trauer um die Kultur, von

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