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Silke Maier-Witt spricht über ihre Zeit bei der RAF

Terror hat gezeigt: So geht es nicht

ELTVILLE. Ende der 1970er Jahre blickte Silke Maier-Witts Gesicht von Fahndungsplakaten, heute lebt sie als freiwillige Friedenshelferin in Mazedonien. Von dort war sie angereist, um im Forum Triangelis über ihren Lebensweg zu sprechen – und der passt gut in die Themenreihe »Lebenswandel« im Jubiläumsjahr der Reformation.

Christa KaddarDie ehemalige Terroristin Silke Maier-Witt hat wieder in die Spur zurückgefunden – mit der Hilfe des Generalbundesanwalts.

Wie konnte ich in eine Organisation eintreten, die Morde begeht?«, fragt Silke Maier-Witt, als sie vor dem Publikum in der Johanneskirche steht. Sie kann die Frage immer noch nicht eindeutig beantworten. »Es war, wie zu einer Sekte zu gehören. Ich hatte das Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen.« Mit 16 erfuhr sie zum ersten Mal vom Holocaust; mit ihrem Vater, der in der SS war, konnte sie darüber nicht sprechen. Wenn sie gelernt hätte, mit Widersprüchen umzugehen, wäre sie vielleicht gegen Einflüsse geschützt gewesen, die sie anfällig machten für die Ideologie der »Roten Armee Fraktion« (RAF), deutet sie an. Die 67-Jährige hat ihre Geschichte schon oft erzählt und als Zeugin ausgesagt. Sie spricht reflektiert, aber zögerlich, sie scheint mit Worten zu ringen und gibt zu, nervös zu sein, vor so vielen Menschen in der Johanneskirche in Eltville-Erbach.

Mit 50 konnte sie erstmals über ihr Leben bestimmen

1990 wurde sie zu zehn Jahren Haft verurteilt und 1995 vorzeitig entlassen. Schon während der Haft hatte sie ihr Psychologie-Studium wieder aufgenommen, das sie nach der Haftentlassung abschloss, und ließ sich zur Familientherapeutin ausbilden. »Mit 50 Jahren konnte ich zum ersten Mal über mein Leben bestimmen, aber ich fand keine Arbeit«, erzählt sie.

Als sie die Anzeige »Friedensfachkraft gesucht« las, habe sie gewusst, dass sie genau das wolle. Vom Forum Ziviler Friedensdienst bekam sie eine Zusage – gerade auch wegen ihrer Vergangenheit, aber die rot-grüne Bundesregierung hatte Vorbehalte gegen eine ehemalige Terroristin. »Ich schrieb an Generalbundesanwalt Kay Nehm und bat ihn um Unterstützung«, berichtet sie. Er bescheinigte ihr, dass sie sich seit Ende 1979 in glaubhafter Weise von der Gewaltideologie der RAF distanziert habe.

Maier-Witt half beim Wiederaufbau des Kosovo

Von 2000 bis 2005 half sie beim Wiederaufbau des Kosovo. In Montenegro betreute sie ein Projekt für serbische und albanische Jugendliche. Heute lebt sie in Skopje in Mazedonien, wo sie dazu beigetragen hat, dass das mazedonische Institut für nationale Geschichte, das Institut für das spirituelle und kulturelle Erbe der Albaner in Skopje, die Jüdische Gemeinde Skopje und das Holocaust Memorial Center in Mazedonien sich für ein gemeinsames Projekt zusammengeschlossen haben.

Wie die RAF die Republik verändert habe, will ein Besucher wissen. Maier-Witt antwortet: »Wir haben gezeigt, wie es nicht geht.«

Von Christa Kaddar

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