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Gabriele Scherle

Sie hat ihren Traum gelebt

Stefanie BockWas wird kommen? Wie wird es sein? Gabriele Scherle ist gespannt, wie ihr Leben sich gestalten wird.

FRANKFURT. Mit Gabriele Scherle zieht sich ein bekanntes Gesicht der Kirche zurück. Zum Abschluss ihrer Amtszeit als Pröpstin hat sie auf ihre größten Erfolge zurückgeblickt und nennt Unerledigtes, das sie ihren Nachfolgern und Nachfolgerinnen hinterlässt.

Leicht fällt ihr der Schritt nicht. Wie auch. Wer glaubt, jetzt, wo Gabriele Scherle kurz davor ist, von ihrer aktiven Zeit als Pröpstin in den Ruhestand zu wechseln, habe sie nichts mehr zu sagen, irrt. Ihren Unmut über den Segensroboter hat sie gerade erst lautstark verkündet. Doch nun will sie von Abstand nehmen ihrem aktiven Einsatz ihrer Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), von ihrer Propstei Rhein-Main.
Wie wird es sein?
Klar ist, ich weiß ja gar nicht, wie es sein wird«, sagt Scherle und fügt an: »Man muss sich noch mal ganz neu erfinden und neue Erfahrungen machen. Ohne Kinder ist für mich der Beruf so zentral: Wie ist das eigentlich, wenn ich privat bin? Wie ist es eigentlich, wenn ich ohne Termine bin? Wie ist es, wenn niemand etwas von mir will?« Neben der Unsicherheit, schwingt aber auch eine große Portion Freude mit: »Ich will vor allem Zeit für mich haben«, sagt Scherle.
Fasziniert vom Glauben
Bereut hat Gabriele Scherle es nie, Pfarrerin zu werden. Dafür war der Weg wohl auch zu schwer, die Freude, sich diesen Traum erfüllt zu haben, zu groß. Geboren wurde Scherle im März 1952 in Pforzheim in eine bäuerliche Waldenser-Familie. Fasziniert vom Glauben, von der Kirche träumt die junge Gabriele davon eines Tages Pfarrfrau zu werden. Der Gedanke, Theologie zu studieren und selbst Pfarrerin zu werden, kommt ihr nicht in den Sinn. Nach der Schule absolviert sie eine Ausbildung für den mittleren Beamtendienst in der Finanzverwaltung. »Für meinen Vater war es das Größte, dass ich auf dem Finanzamt arbeite. Ich war versorgt.« Doch seine Tochter will etwas anderes.
Mut machen
Ein Studium der Sozialarbeit? Ein Studium der Theologie? Für ihren Vater keine Alternative zum sicheren Job auf dem Amt. Doch in der Kirche findet Scherle Menschen, die sie stärken, die ihr Mut machen.
Eine Jongleurin mitGlücksmomenten
Es sind die Begleitung von Pfarrern und Pfarrerinnen in schwierigen Situationen oder die Besetzung von Stellen, die die Pröpstin Scherle als ihre bereichernsten Aufgaben sieht. »Ich habe oft das Gefühl gehabt, ganz viele Bälle sind in der Luft, ich hatte Angst, dass einer runter fällt. Aber wie sich dann neue Perspektiven ergeben haben, das waren dann Glücksmomente«, sagt sie. Als Pröpstin habe sie sich stets als Pfarrerin für die Pfarrer und Pfarrerinnen gesehen. Dass nach ihrem Abschied die Zahl der Pfarrerinnen in Führungsrollen weiter sinke, schmerzt sie. Dennoch betont sie, dass Kirche neben der Politik eine der wenigen Größen in der Gesellschaft sei, die einen sozialen Aufstieg ermögliche. »Und damit auch für Frauen«, so Scherle.
Leitungsstellen in Teilzeit
Eine Ursache für das Fehlen von Frauen in den Schaltzentralen der Macht, sieht sie darin, dass in den Familien nach wie vor die Geschlechterrollen traditionell gelebt würden. »Es gibt keine anspruchsvollen Teilzeitstellen«, kritisiert Scherle. Dabei könnten doch Leitungsstellen ohne Probleme geteilt werden, ob durch Ehepartner oder Kollegen. »Da kann Kirche noch mehr machen, eine Vorreiterrolle einnehmen«, fügt sie an und verrät, dass dies auf der Agenda ihrer Kollegen weit oben stehe. Doch bis solche Gedankenspiele Wirklichkeit werden, wird sie nicht mehr im Amt sein. Von Stefanie Bock

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