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Lutherrosen helfen Wormser Magnuskirchengemeinde

Segensreiche Wahrzeichen

Joachim BonathAlexander Ebert (von links), Frank Nonnenmacher, Jutta Herbert, Achim Müller und Ulrike Arnold haben Grund zum Feiern.

WORMS. Die geschnitzten Lutherrosen aus der Werkstatt des Bildhauers Gustav Nonnenmacher halfen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Magnuskirche wieder aufzubauen. Heute entfalten sie ihre segensreiche Wirkung für die Gemeinde ein zweites Mal.

Das schwarze Kreuz ruht mittig auf einem roten Herzen. Weiße Rosen umgeben es, dahinter blauer Grund. Die Rede ist natürlich von der Lutherrose. Für Martin Luther war sie nicht nur ein Wappen, um seine Lehren auf Briefen und Flugblättern zu kennzeichnen. Der Reformator sah darin auch ein Wahr- und Merkzeichen seiner neuen Theologie.

Einige besondere Lutherrosen hat die Wormser Magnuskirchengemeinde geschenkt erhalten. Die Kunstwerke stammen aus der Werkstatt des Wormser Bildhauers Gustav Nonnenmacher, der sie aus dem Holz einer Ulme geschnitzt hat, die tatsächlich im 16. Jahrhundert im heutigen Wormser Stadtteil Pfiffligheim gepflanzt wurde. Das Bäumlein sollte an Luthers Auftritt vor dem Reichstag anno 1521 erinnern. Dieser Lutherbaum grünte noch im Jahr 1948, bevor er ein Jahr später doch fallen musste.

Relief und Rosen aus dem Holz der alten Ulme

Nonnenmacher hatte gleich mehrere Ideen, was mit dem Holz anzufangen sei. Zum einen schnitzte er ein Reliefbild mit den wichtigsten Szenen des eingangs erwähnten Reichstags. Zum anderen wollte er den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Magnuskirche unterstützen – und betrieb daher Fundraising, als noch kaum jemand dieses Wort kannte. Nonnenmacher schnitzte eine Lutherrose aus dem Holz der alten Ulme gab das Holz in bayerische Holzschnitzereien, die vielfältige Duplikate herstellten.

Im Nachlass des Künstlers fanden dessen Kinder und Erben Frank Nonnenmacher und Ulrike Arnold Hunderte bemalte Lutherrosen aus Zinn – Abgüsse der hölzernen Kunstwerke. Für die beiden war klar, dass dieser Fund segensreiche Wirkung haben sollte, und zwar nicht nur für sie. Jeweils ein Drittel der 360 Rosen ging an die beiden Lutherstädte Eisleben und Wittenberg. Das letzte Drittel erhielt die Magnuskirchengemeinde.

Damals kam eine enorme Summe zusammen

In einer Feierstunde berichtete Frank Nonnenmacher über das Schaffen seines Vaters und dessen Idee in den 1950er Jahren. Neben Lutherporträts seien es die Lutherrosen gewesen, die maßgeblich zur Finanzierung der Magnuskirche beitrugen. »Mein Vater hat nur diesen einen Entwurf gemacht. Dann wurden sie in Bildhauerwerkstätten im halbseriellen Verfahren in großen Stückzahlen hergestellt«, berichtete Nonnenmacher. Sie seien zu 1,50 D-Mark pro Stück hergestellt und zu zehn D-Mark verkauft worden. So war die damals enorme Summe von 100 000 D-Mark zusammengekommen, die nicht nur den Wiederaufbau der Magnuskirche ermöglichte, sondern darüber hinaus auch noch zum Wiederaufbau der Wormser Dreifaltigkeitskirche beitrug.

Für die Kirchengemeinde trifft sich das hervorragend. Denn eine umfangreiche Außensanierung der Magnuskirche steht an. Und die kostet natürlich Geld. Man wolle diesmal die kleinen Kunstwerke aber nicht verkaufen, sagte Pfarrerin Jutta Herbert, sondern »um eine Spende für die Renovierung bitten«. Manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch.

Von Joachim Bonath

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