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Bundespräsident

Schokolade und ein Pferd für den »Chef von Deutschland«

epd / Claus VoelkerBundespraesident Frank-Walter Steinmeier begruesst Kinder der evangelischen Kindertagesstaette "Schatzkiste" in Darmstadt. Auf seiner Tour durch Hessen sprach Steinmeier mit Eltern, Erzieherinnen und dem hessen-nassauischen Kirchenpraesidenten Volker Jung ueber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

DARMSTADT. So einen Besuch hat die »Schatzkiste« nicht alle Tage, das wäre auch viel zu aufregend. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schaute in der Kita der Darmstädter Martin-Luther-Gemeinde vorbei, und die Kinder zeigten sich gut vorbereitet. Sie teilten sogar ihre Fischstäbchen mit ihm.

Zwei Kinder mit Sonnenbrille und Kopfhörern marschieren als Personenschützer über den Hof der Kita »Schatzkiste« in Darmstadt. Ihre Freunde flitzen verkleidet als Feuerwehrleute und Polizisten auf ihren Dreirädern umher – und ein Mädchen mit großer Brille in einem Kettcar mit festgeklebter Deutschlandfahne mimt den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Hinter der Eingangstür der Kita zeigt ein kurzer Videoclip, wie gut sich die Kinder auf den Besuch des Staatsoberhaupts vorbereitet haben.

»Der Chef von Deutschland«

Als die schwarze Limousine direkt vor den Kindern stoppt, weiß der vier Jahre alte Wim auch ganz genau, wen er vor sich hat: »Den Chef von Deutschland.« Auf seiner Antrittstour durch Deutschland ist Steinmeier zwei Tage lang in Hessen unterwegs, macht dabei Station bei der Kita der Martin-Luther-Gemeinde in Darmstadt. Artig schütteln die Kinder des Empfangskomitees die Hände der Politiker – und verraten direkt, was es zum Mittagessen gibt: Fischstäbchen mit Kartoffelsalat. Der Bundespräsident lacht: »Toll, das habe ich so lange nicht gegessen.«
Doch zuerst steht eine Andacht mit den Kindern auf dem Programm. Das hat sich Kita-Leiterin Andrea Koch so gewünscht, nicht nur Mittagessen und Diskussion. »Wir wollten zeigen, was eine evangelische Kita ausmacht«, sagt sie. Und wie Glaube im Alltag gelebt werde. Dazu gehörten Gebete vor dem Essen und dem Mittagsschlaf sowie die Gottesdienste.
Im Kindergarten zelebrierten sie die Andachten, im Mittelpunkt stehe die Botschaft: »Jedes Kind ist ein Schatz Gottes.« Passend zum Namen der Einrichtung und zur eckigen Architektur des Hauses. In der Einrichtung mit knapp 100 Kindern werden auch Inklusionskinder betreut. Sie gehörten ganz selbstverständlich dazu, betont die Leiterin. Im Turnraum hockt sich Steinmeier neben seiner Frau Elke Büdenbender und dem hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung auf eine Holzbank – und feiert mit.

»Woher wisst ihr was von Gott?«

Eine Erzieherin spielt Gitarre, es wird viel gesungen, die Aussage des Texts untermalen die Kinder mit Bewegungen, strecken ihren Zeigefinger in Luft oder streicheln sich selbst über die Wange. Pfarrer Frank Briesemeister erzählt von Martin Luther und der Bibel, bindet die Jungen und Mädchen aktiv ein, will erfahren: »Woher wisst ihr was von Gott?« Lisa ruft: »Ich habe eine Bibel zu Hause.« Andere Kinder antworten: »Von meinen Eltern.« Oder: »Von Omi und Opi«. Und auf die Frage, was Gott alles geschaffen habe: Neben Himmel, Wasser, Sonne und Mond fallen den Jungen und Mädchen als erstes noch Delfine und Flamingos ein.
Der Bundespräsident zeigt Spaß daran. So ein Besuch mache ihm große Freude, sagt Steinmeier. Mit fröhlichen Kindern, die wunderbar betreut seien. In der Kita seien die Bedingungen vergleichsweise ideal: Die Einrichtung ist von 7 bis 17 Uhr geöffnet, die Kinder können dort frühstücken und mittagessen. Ihm sei bewusst, dass viele andere Betreuungseinrichtungen weniger gut aufgestellt seien, sagt Steinmeier.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Auf dem Programm steht auch eine Diskussion mit Eltern und Erziehern, unter anderem über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, allerdings ohne Presse. »Es ist gut, unterwegs zu sein und nicht nur hinter meinem Schreibtisch in Schloss Bellevue zu sitzen«, sagt Steinmeier. Als Bundespräsident gehöre zu seinen Aufgaben, sich immer wieder die Sorgen der Menschen anzuhören. Deshalb versuche er, bei seiner offiziellen Antrittsreise eine möglichst große Bandbreite des Landes kennenzulernen.

Hohe Wertschätzung für die Arbeit mit Kindern

Der Kirchenpräsident zeigt sich erfreut, dass Steinmeier mit seinem Besuch in der Kita die hohe Wertschätzung für die Arbeit mit Kindern zum Ausdruck gebracht habe, egal in welcher Trägerschaft. Ein Merkmal für evangelische Kitas seien die regelmäßigen Gottesdienste, sagt Jung. Doch in erster Linie gehe es um ein gut gelebtes Miteinander und respektvollen Umgang. »Der Alltag muss gut gestaltet werden«, sagt der Kirchenpräsident. Schon Martin Luther habe betont, dass der wichtigste Gottesdienst der Alltag sei.
Am Ende der Andacht überreicht die Kita-Leiterin dem Bundespräsidenten eine braune Schatzkiste voller Wünsche der Jungen und Mädchen. Ein Kind wünscht ihm viel Schokolade, weil sie so lecker sei, ein anderes ein richtiges Pferd, damit er nicht mehr fahren müsse. Und: »Dass sie gut auf unser Land aufpassen.« Ein Junge sagt gegenüber der Presse, als Chef von Deutschland könne der Bundespräsident alle Wünsche wahr werden lassen. Darauf angesprochen lächelt Steinmeier. Er freue sich über das große Interesse der Kinder. Allerdings, fügt er hinzu, von Erwachsenen wünsche er sich »manchmal etwas mehr Realismus«, was die Erwartungen an die Politik angehe. epd

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