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Hessentag

Postkarte an sich selbst

epd / Thomas RohnkeEine Videoinstallation lässt geometrische Figuren über die Rückwand der »ZeitKirche« huschen.

RÜSSELSHEIM. Wer in die Stadtkirche kommt, ist eingeladen, sich Gedanken zu machen über die Zeit. Dazu gibt es Musik- und Videoinstallationen. Gleich ‧nebenan geht es – nur scheinbar ‧banaler – um Gemüse.

epd / Thomas RohnkeDas Hessentagspaar, Selma Kücükyavuz und Marcel Sedlmayer, greifen zum Gemüseschäler

Plötzlich wird es duster. Die Augen müssen sich erst an das schummrige Licht gewöhnen, wenn man die Rüsselsheimer Stadtkirche betritt. Aus dem Halbdunkel lächeln Mitarbeiter die Besucher an, heißen sie willkommen, drücken ihnen Programmzettel und Liedblätter in die Hände.
Für die Zeit des Hessentags bis zum 18. Juni hat sich das Gotteshaus in eine »ZeitKirche« verwandelt. Einen »leuchtenden Erlebnisraum« nennt sie der Hessentagsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Wolfgang Weinrich.

Bilder aus Natur, Kultur, Wissenschaft und Politik

Im Innern perlt ruhige Klavier- und Synthesizer-Musik aus unsichtbaren Lautsprechern, eine Videoinstallation lässt Dreiecke und andere geometrische Formen über die Rückwand der Kirche huschen. Man sieht Großaufnahmen von Elefanten, Nashörnern und Krebsen, schäumende Wellen rollen einer felsigen Küste entgegen, dann erhebt sich wuchtig das klassizistische Gebäude des Frankfurter Hauptbahnhofs an der Wand. Die Installation der Mediendesigner Moritz Herdt und Martin Völker zeigt Bilder aus Natur, Kultur, Wissenschaft und Politik.
Hans Ottenberg aus Geinsheim am Rhein ist einer der Helfer, die in der »ZeitKirche« Besucher ansprechen. Er verteilt Postkarten und lädt dazu ein, eine Nachricht an die eigene Adresse zu schicken. Am Ende des Jahres schicke die Kirche die Karten dann an die jeweiligen Schreiber zurück. »Wenn Sie draufschreiben, Sie seien der beste Mensch der Welt, dann können Sie in einem halben Jahr nachprüfen, ob das noch stimmt«, sagt er lächelnd. Nein, sagt er dann, im Ernst, es gehe darum, sich Gedanken zu machen, wie man mit seiner Zeit umgehe, und sich dann nach einem halben Jahr noch einmal damit zu befassen.

Die Perspektive und die Zeit sind relativ

Wolfgang Prawitz, Ökumenepfarrer im Dekanat Groß-Gerau/Rüsselsheim, macht den Anfang beim Intermezzo, einer täglichen Veranstaltung in der »ZeitKirche« mit Gedanken zu einem geistlichen Text und mit Musik. Zum Psalm 90 breitet er seine Überlegungen aus. »Unser Leben dauert 70 Jahre, manchmal, wenn wir stark sind, 80 Jahre«, liest er vor. »Wie klingt dieser Satz für Menschen in Afrika oder Asien, deren Lebenserwartung deutlich geringer ist?«, fragt er dann. Die Perspektive ist wie die Zeit relativ. Es tue manchmal eben gut, die Perspektive zu wechseln, sagt Prawitz.
Etwa 40 Personen lauschen ihm und dem Intermezzo. Zu ihnen gehören Susanne und Rainer Bröcker, die eigentlich anders heißen, aber lieber nicht mit ihren Namen in der Zeitung stehen wollen. Die beiden wollten sehen, wie ihre Kirche in diesem veränderten Licht aussieht, sie hat die Neugier hierher gezogen – und die Erinnerung. »Ich bin hier konfirmiert worden«, erzählt Susanne Bröcker, »und wir haben hier geheiratet.« Nach dem Intermezzo bleiben sie noch schweigend nebeneinander sitzen und reisen ein wenig in der Zeit zurück.

Der Spargel geht für eine Spende über den Tisch

Gegenüber der Stadtkirche wird täglich um 13 Uhr Spargel geschält. Bei den »Spargelgesprächen« vor dem Katharina-von-Bora-Haus wolle die Diakonie »Menschen zusammenbringen, um in lockerer Atmosphäre über soziale oder gesellschaftliche Themen zu sprechen«, sagt Lucian Lazar, der Leiter des Diakonischen Werks Groß-Gerau/Rüsselsheim. Da man hier ja in einer Spargelregion lebe, liege es nahe, dabei die Stangen zu schälen.
Beim ersten »Spargelgespräch« ist das Hessentagspaar zu Gast. Selma Kücükyavuz und Marcel Sedlmayer greifen gleich zum Gemüseschäler. Ihr eigener Migrationshintergrund habe sie dazu bewogen, sich als Hessentagspaar zu bewerben, verraten die beiden. Das passe zu Rüsselsheim, einer Stadt, in der Menschen aus 120 Nationen leben. »Man gehört zusammen, wir sind Rüsselsheimer, und wir fühlen uns wohl hier«, sagt Kücükyavuz.

Von Nils Sandrisser

Die »ZeitKirche« ist für die Dauer des Hessentags täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet.

Am 17. Juni kommen Eva Lind und Wolfgang Weinrich um 16 Uhr zu einer musikalischen Lesung mit dem Titel »Der liebe Gott bleibt inkonsequent« in die »ZeitKirche«. Am 18. Juni beginnt um 11 Uhr ein Gottesdienst zum Hessentag.

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