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Kirche muss hinausgehen

Dialog über Reformation und Revolution

eöa/Claudia PfannemüllerDekan Volkhard Guth (links) im Dialog mit Propst Matthias Schmidt (rechts).

WÖLLSTADT. Zwei Theologen – zwei verschiedene Perspektiven auf die Reformation. Oberhessens Propst Matthias Schmidt und Dekan Volkhard Guth predigten gemeinsam in Wöllstadt. Während Guth die gesellschaftspolitischen Auswirkungen der Reformation betonte, behielt Schmidt eher die seelsorgerliche und diakonische Seite der Bewegung im Blick.

Die Reformation brachte das Gesamtgefüge der Welt ins Wanken«, sagte Volkhard Guth. In Folge der Reformation haben radikalisierte Christen Gottesdienste gestört, Mönche und Nonnen ihre Klöster verlassen. Die Abschaffung des Ablasshandels und der Reliquiensammlungen habe das damalige Finanzsystem in eine Krise gestürzt. Neben Martin Luther hatten radikalere Reformatoren wie Thomas Müntzer einen Angriff auf das gesamte damalige Herrschaftssystem im Sinn.

Revolutionärer Antrieb der Reformation gescheitert

Aber auch Luther selbst sei ein Rebell gewesen, so Guth. Luthers Auftritt vor dem Reichstag in Worms nannte Guth mutig, unbeugsam und revolutionär. Letztlich sei der revolutionäre innere Antrieb der Reformation aber gescheitert. Schon in der nächsten Generation habe es wieder neue hierarchische Strukturen und Abhängigkeiten von Landesherren gegeben.

Die Reformation warauch eine Diakoniebewegung

Luther habe zunächst gar nicht an eine Reform der Kirche oder gar der Gesellschaft gedacht, gab Matthias Schmidt zu bedenken. Ihm sei es zunächst vordringlich um das Heil der Seele gegangen, um die Entdeckung, von Gott bedingungslos geliebt zu werden. Gleichzeitig sei die Reformation auch eine Diakoniebewegung gewesen. »Armut wurde nicht mehr als individuelles Schicksal verstanden, sondern als gesellschaftliche Aufgabe.«

Luthers Freiheitsideehaben Bauern aufgenommen

Durchaus kontrovers wurde der Dialog der beiden Theologen bei der Frage, ob Reformation als Revolution zu verstehen sei. »Revolution ist ein Wort, das nach Gewalt klingt«, so Schmidt. Gewalt im Namen Gottes dürfe es niemals geben. Hier irrten nach Schmidts Meinung sowohl Luther als auch Müntzer. Guth hielt dagegen. Die Bauern hätten Luthers Freiheitsidee aufgenommen und aus ihr das Recht auf Gerechtigkeit abgeleitet.

Im Reformationsjubiläumsjahr nimmt sich Dekan Volkhard Guth einmal im Monat ein reformatorisches Kernthema vor, um es in der Form einer Dialogpredigt zu entfalten. Das nächste Mal mit Bürgermeister Herbert Unger am 20. August ab 10 Uhr in Florstadt.

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