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Befreiung aus einem »Escape Room«

Reformation für Rätselfüchse

Judith KesslerHelle im Kopf müssen die Konfis sein, wenn sie das Rätsel lösen und den Ausgang finden wollen.

ALZEY. Jugendliche in Räume einzusperren klingt nach übler Holzhammerpädagogik und archaischem Strafvollzug. Das Dekanat Alzey macht es trotzdem. Den Konfis und Schülern bringt das sogar Spaß.

Im Schülercafé »Große Pause« braut sich etwas zusammen. »Ihr wisst, worauf ihr euch eingelassen habt?«, fragt Dekanatsjugendreferent Günter Eiserfey und baut sich vor acht Konfirmandinnen und Konfirmanden auf. Gleich wird er sie in zwei ehemaligen Büroräumen des Dekanats einsperren.

Klingt nach mittelalterlichem Strafvollzug, ist aber tatsächlich ein Trend, der seit 2013 auch in deutschen Städten Anhänger findet. »Escape Rooms« heißen die Rätsel-Räume, in die sich Menschen auf der ganzen Welt einschließen lassen, um sich gemeinsam ihren Weg nach draußen zu erknobeln. Das Dekanat Alzey wartet mit gleich zwei dieser Räume auf rund um das Thema Reformation.

Düstere Worte können die Konfis nicht schrecken

Eiserfeys düstere Worte scheinen die Eppelsheimer Konfis nicht weiter zu beeindrucken. In zwei Vierer-Teams erobern sie die mit Schreibstube und Sakristei überschriebenen Räume. Nach einer kurzen Einführung schließen die Spielleiter Eiserfey und Gemeindepädagogin Viktoria Weiß für 60 Minuten die Türen und bringen sich im Café in Position: Mit Kopfhörern und Mikrofonen behalten sie die Rätselratenden über einen Monitor auf Schritt und Tritt im Auge, sagen die noch verbleibende Zeit an oder geben Hinweise, wenn es mal gar nicht weitergeht. »Wir wollen ja nicht, dass die am ersten Rätsel verzweifeln«, erklärt Eiserfey.

Schummeln gilt natürlich auch im »Escape Room« nicht

Die vier Konfis vor seiner Kamera nehmen derweil die Sakristei auseinander. Regenschirm, Keyboard, nicht mal die Kaffeemaschine ist auf der Suche nach den nigelnagelneuen Abendmahlskelchen sicher, die ausgerechnet kurz vor ihrer Einweihung auf dem Gemeindefest verschwunden sind.

In der Gruppe um Pfarrerin Beiner wird geschummelt. Einige mögliche Hinweise hat Gemeindepädagogin Weiß in kleine Käfige eingeschlossen. Statt die Zahlenkombination für das Schloss zu knacken, versuchen die vier Jungs vergeblich, die Gegenstände durch die Gitterstäbe zu mogeln.

Die Hobby-Detektive winken in die Kamera

Nicht nur die Konfirmanden sind mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, auch die Spielleiter fiebern mit. Während die Hobby-Detektive auf das oberste Regalbrett und unter den Sekretär klettern, winken sie immer wieder in die Kamera. »Die können dich nicht sehen, wenn du zurückwinkst«, grinst Eiserfey seine Kollegin von der Seite an, nur um im nächsten Moment die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen: »Nein! Was macht er denn da?«

Die Sakristei ist mittlerweile zwei Minuten hinter dem Zeitplan und auch in der Schreibstube steigt die Anspannung. »Ich hab doch schon alles ausprobiert!«, ertönt eine Beschwerde aus Weiß' Kopfhörern. Häufig scheiterten Gruppen an technischen Problemen, berichtet Wagener. Zahlenschlösser würden im Eifer des Gefechts nicht genau eingestellt oder Puzzles nicht schnell genug zusammengesetzt.

Eine Abkürzung spart mehrere Minuten

Dann wird es spannend: »Der ist ja ein Held!«, freut sich Eiserfey. Einer seiner Schützlinge hält eine Abkürzung zu den gesuchten Kelchen in den Fingern, mit der die Gruppe gleich mehrere Minuten gutmachen könnte.

Am Ende schrammen beide Gruppen ganz knapp am Sieg vorbei. Nach 62 Minuten bergen die Konfis die Abendmahlskelche aus der Sakristei. »Ihr seid leider ganz knapp über der Zeit«, hält Eiserfey den Jugendlichen seine Stoppuhr vor die Nase. Enttäuscht sind sie aber nicht. »Aber jetzt mal so unter uns: Welcher Raum ist schwieriger?«, wollen die Jugendlichen noch wissen. Um das zu testen, wollen sie noch einmal wiederkommen.

Von Judith Kessler

Noch bis zum 31. Oktober können sich Gruppen von drei bis acht Rätselfüchsen aller Altersklassen an den Alzeyer »Escape Rooms« versuchen.

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