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Dörfer vernetzen sich

Mit langem Atem

Anja Baumgart-PietschKarla Sachse-Domschke und Markus Eisele wollen die vier Dörfer ihrer Gemeinden Heftrich und Bermbach enger zueinander bringen.

IDSTEIN. Junge Menschen verlassen häufig die Dörfer und ziehen in die Städte. Die Kirchengemeinden Heftrich und Bermbach sehen sich in der Pflicht, damit die Älteren auf dem Land nicht vereinsamen. Eine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten wollen sie aber nicht sein.

Sie muss ein mächtig dickes Brett bohren. Das ist Karla Sachse-Domschke klar. Die Aufgabe ist nicht einfach. »Aber ich bin alles andere als entmutigt«, sagt die engagierte Taunusbewohnerin lächelnd. Die hauptberufliche Bankerin und Mutter dreier Kinder arbeitet schon länger in ihrer Heimatgemeinde Heftrich in der Nähe von Idstein im Kindergottesdienst-Team mit. Und sie hat seit Anfang dieses Jahres noch eine weitere Aufgabe: Fünf bezahlte Stunden pro Woche widmet sich Sachse-Domschke dem Projekt »Quartier 4«.

Das Projekt soll eine so gute Vernetzung der Generationen innerhalb der aus drei Dörfern bestehenden Kirchengemeinde Heftrich und dem pfarramtlich verbundenen Bermbach ergeben, dass hier eine generationenübergreifende Nachbarschaftshilfe funktioniert, »und sich niemand mehr einsam fühlen muss«, sagt Sachse-Domschke. Bei Pfarrer Markus Eisele, der die vier Taunus- Dörfer Heftrich, Bermbach, Nieder-Oberrod und Kröftel mit zusammen rund 4000 Einwohnern betreut, stießen die Gemeindemitglieder auf ein offenes Ohr. So entstand im vergangenen Jahr die Idee zu »Quartier 4«.

Die Förderzusage kam prompt für drei Jahre

Sachse-Domschke wusste, dass im Rheingau-Taunus-Kreis ein Fördertopf für generationsübergreifende soziale Projekte existiert: »Rat und Tat«. Sie stellte das Vorhaben vor und bekam prompt eine Zusage für drei Jahre mit dem jährlichen Förderbetrag von 7000 Euro.

Sachse-Domschke hat erst einmal ausgiebig Klinken geputzt: »Ich habe mich und unsere Idee bei allen Kommunalpolitikern aus Idstein und Waldems, zu denen die Dörfer gehören, vorgestellt, bei der Diakonie, bei den Vereinen«, berichtet sie. Denn natürlich geht es zu Anfang erst einmal darum, sich bekannt zu machen, Ängste zu nehmen, dass man etwa eine Konkurrenz zu alteingesessenen Vereinen sei. »Das wollen wir überhaupt nicht«, sagt Sachse-Domschke. »Ganz im Gegenteil: Vorhandene gute Angebote möchten wir vernetzen und bündeln.«

Individuelle Lösungen für Mobilität sind gefragt

Auch das Thema Mobilität ist wichtig: Der öffentliche Nahverkehr kann nicht alle Wünsche erfüllen, hier sind individuelle Lösungen gefragt, die aber organisiert werden wollen. Pfarrer Eisele ist von den Erfolgen, die »Quartier 4« schon nach wenigen Monaten verzeichnet, sehr angetan. »Es ist schon eine Herausforderung, Menschen dazu zu bringen, sich mit etwas zu beschäftigen, das so abstrakt klingt wie ›Demografischer Wandel‹«, sagt er. »Aber sobald sie verstanden haben, dass das sehr konkret ihr eigenes Leben in absehbarer Zeit betrifft, wächst die Bereitschaft zum Nachdenken und Handeln.«

Eine Hochschule soll das Projekt begleiten

Dazu organisiert Sachse-Domschke gemeinsam mit dem Theologen und dem mittlerweile rekrutierten kleinen Kreis ehrenamtlicher Mitstreiter aus allen vier Orten Veranstaltungen, zunächst kleinere Straßenfeste, Info-Abende und Runde Tische. Am 13. November findet in Idstein erstmals eine größere, publikumswirksame Vorstellung des Projekts statt. Auch eine Hochschule will man ins Boot holen, die das Projekt wissenschaftlich begleiten und evaluieren soll.

Doch bis dahin müssen erst einmal alle an einem Strang ziehen: Alle Generationen, alle vier – voneinander durchaus unterschiedlichen – Orte und Alt-wie Neubürger, die auf den Dörfern manchmal auch Gegensätze bilden können. Dafür braucht es einen langen Atem.

Von Anja Baumgart-Pietsch

Die beiden Gemeinden informieren am 13. November ab 19 Uhr im Loft Kalkofen in der Maximilianstraße 6 in Idstein.

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