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»Bible Art Journaling«

Mit Buntstift und Klebstoff durch die Bibel

Judith KesslerGünter Eiserfey und Susanne Schmuck-Schätzel präsentieren ihre gebastelte Auslegung von Psalm 104.

ALZEY. Wenn Dekanin Susanne Schmuck-Schätzel einer Bibel mit Schere und Klebstift an die Blätter will, dann ist Bible-Art-Workshop in Alzey. Das kann man zwar auch alleine im stillen Kämmerlein machen, aber warum sollte man?

Filzstifte, Wolle, Geschenkpapier, Streusalz. Die Stoffe, aus denen die Bibel wird. Klingt zugegebenermaßen nicht ganz logisch, aber Susanne Schmuck-Schätzel und Günter Eiserfey bringen das schon irgendwie zusammen. Die Dekanin und der Bildungsreferent des Dekanats Alzey sitzen im Alzeyer alten Rathaus und versuchen, aus dem Material, das der Bastelschrank so hergibt, eine Heilige Schrift zurechtzuklöppeln.

»Die Bibel wurde in viele Sprachen übersetzt – wir nutzen die Sprache der Kreativität«, so heißt das Motto des Abends. Eiserfey, der das Ganze mit ausgeheckt hat, sitzt über dem Schöpfungspsalm 104 und wetzt schon mal Wasserfarben und Pinsel. Doch vor das Gestalten hat das »Bible Art Journaling«, wie der noch junge Trend aus den USA heißt, die Lektüre gesetzt.

Buffet mit Bastelmaterialien

Um das Texteis zu brechen, liest die Dekanin die lange Stelle zunächst vor, dann darf die kleine Gruppe selbst ran. Beim gemeinsamen Vorlesen offenbart der Text dann nicht nur die ihm eigene Musikalität, im lauter oder leiser werdenden Singsang wird auch hörbar, welche Textstellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewegen und welche ihnen weniger nahegehen.

Inzwischen nehmen die angehenden Künstlerinnen das Buffet mit Bastelmaterialien in Augenschein. Mit Buntstiften und den ersten ausgeschnittenen Tieren wagen sie sich vorsichtig an den Text heran. Ob man überhaupt in die Bibel malen dürfe, sei Schmuck-Schätzel gefragt worden. »Natürlich darf man das!«, gibt sie im Brustton der Überzeugung zurück. Schließlich habe es die Buchmalerei in allen Jahrhunderten gegeben. Als Kunst möchte sie den Workshop dann aber doch nicht verstanden wissen. »Die Mönche müssen das doch auch geübt haben«, nähert sich Eiserfey einer Definition.

Ein bisschen Scheu haben die Teilnehmer anfangs schon

Überwindung koste es trotzdem, gesteht Susanna Paechnatz von den Evangelischen Frauen, die heute zum ersten Mal eine der speziellen »Art Journaling«-Bibeln mit extrabreitem Rand und dickem Papier in der Hand hält. Bücher überhaupt seien ja etwas Kostbares. Dekanatsfrauenbeauftragte Mechthild Fitting hat hingegen ihre ganz eigene Taktik entwickelt und sich im Vorfeld auf ein paar kopierten Bibelseiten warmgelaufen, um die erste Scheu abzulegen.

Beim Basteln gibt es auch Neues im Text zu entdecken

»Leihst du mir mal deine Fische?«, wird Fitting unterbrochen, als sie gerade Noten und eine Trompete neben den Text zeichnet. »Hast du auch bunte Stempelkissen?«, drückt sie der Alzeyer Pfarrerin ein paar goldene Fisch-Sticker in die Hand.

Ein kreatives Ausnahmetalent muss man dazu aber nicht sein. »Ich bin eigentlich keine Künstlerin,« sagt Fitting über sich selbst. Das Spannende am Bible Art Journaling sei es, beim Malen, Kleben und Stempeln immer wieder Neues im Text zu entdecken. Eben sei ihr zum Bibel- noch ein Liedtext eingefallen, erklärt sie ihr fertiges Werk. Und wie fühlt es sich an, in eine Bibel zu malen? »Jetzt ist es meins.«

Von Judith Kessler

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