Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Alle Nachrichten

Fotos aus der Umgebung von Tschernobyl

Löwe und Hase sagen gute Nacht

Nicole Weisheit-ZenzMickey Markovic hat die Erkenntnis mitgenommen, dass der Mensch bei weitem nicht alles beherrschen kann.

MAINZ. Die morbide Ästhetik plötzlich evakuierter Orte zeigt Mickey Markovic in seiner Serie »#moloko86# – Bilder aus Chernobyl«. Seine Bilder lassen Raum für Interpretationen.

Löwe und Hase sagen sich hier gute Nacht. Auch Puppen und andere Tiere zum Spielen und Kuscheln mussten zurückbleiben, damals, in der Eile der Evakuierung. Niemand wird mehr kommen und sie mitnehmen, das wäre der Gesundheit nämlich nicht unbedingt zuträglich. Denn die atomare Katastrophe im Reaktor von Tschernobyl in der Ukraine im April 1986 verstrahlte weite Gebiete.

Als Kind habe er damals nicht viel von den schlimmen Ereignissen mitbekommen, erinnert sich Mickey Markovic, Jahrgang 1978. Man sollte keinen Salat mehr essen und auf Pilze verzichten – doch weshalb, das wurde ihm erst später klar. Der gebürtige Mainzer ist Kameramann und war 2016 beruflich in der Ukraine unterwegs. Daraus entstand die Idee, nach Prypjat und Kopachy zu fahren, Vororte von Tschernobyl. »#moloko86# – Bilder aus Chernobyl« heißt seine Schau.

Kinder sprechen aus, was offensichtlich ist

»Im Detail und in ihrer Gesamtheit lassen sie die Katastrophe spürbar werden«, sagt Sascha Heiligenthal. Als Pfarrer der Mainzer Philippusgemeinde hat er er sich dafür eingesetzt, die Serie in der Kirche und im Vorraum zu hängen. Die Ausstellung wird in Kooperation mit »Peng« gezeigt, der Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation, und fügt sich ein in eine ganze Reihe von Veranstaltungen, für die Philippus ein Forum bietet.

Jugendliche schauen sich etwas unsicher um, Ältere erinnern sich an die Zeit in den 1980er Jahren und Kinder sprechen aus, was anderen wohl auf der Zunge liegt: »Das ist ja gruselig.« Die Bilder sollen berühren. Nachdenklich stimmen und mahnen, verantwortungsvoller mit der Welt umzugehen. »Doch sie kommen nicht mit erhobenem Zeigefinger daher«, betont Markovic, der selbst Vater ist, »sondern mit reichlich Raum für eigene Interpretationen.«

Der Reaktor steht nicht im Mittelpunkt

Der havarierte Reaktor beziehungsweise dessen Betonsarkopharg ist mit Absicht nicht groß auf den Bildern zu sehen. Die Fotos zeigen Facetten davon, was zurückgelassen wurde und nun verwittert: Waschbecken und Treppenstufen, Stühle voll abgeblätterter Farbe, ein schneebedeckter Sessel, verrostete Kinderbettchen und Spielsachen. »Ich habe geknipst, was man dort vorfindet«, erzählt der Fotograf, »nicht mehr, nicht weniger.«

»Es ist irre zu denken, wir Menschen könnten alles beherrschen«, ist eine Erkenntnis, die er mitgenommen hat. Was Markovic besonders fasziniert, ist, wie die Natur sich alles Stück für Stück wieder zurückerobert. Während das von Menschenhand Erschaffene zunehmend zerfällt, wächst mittendrin etwas Neues, wie ein junger Baum in der Turnhalle.

Von Nicole Weisheit-Zenz

Die Ausstellung ist bis zum 20. Oktober zu sehen in der Philippusgemeinde, Hans-Böckler-Straße 3 in Mainz-Bretzenheim, die Finissage findet dann um 20 Uhr statt.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Ihre Ansprechpartnerin

Renate Haller (rh)
Chefin vom Dienst

Tel.: 069 / 92107-444
E-Mail

to top