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Befunde übersetzen

Dolmetscher für Arzt-Latein

epd/Matthias RietschelTage ohne Patientenanfragen gibt es bei »was hab ich?« nicht. Mitbegründer und Geschäftsführer Ansgar Jonitz (rechts) im Gespräch mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die Dresdner Initiative hilft beim Erklären von Arztbriefen. Rund 100 Briefe pro Woche schaffen die Helfer.

DRESDEN. »Was hab ich?« – Das Medizinerlatein in Arztbriefen kann Patienten zur Verzweiflung bringen. Eine Dresdner Initiative hilft ihnen beim Übersetzen und Erklären.

Arztbriefe können bei Patienten völlige Ratlosigkeit auslösen. Wenn es etwa heißt: »In der flüssigkeitssensitiven Sequenz Nachweis eines ausgeprägten Knochenmarködems an der ventralen Zirkumferenz des Humeruskopfes» – dann versteht das ohne medizinische Vorbildung wohl keiner. Wer weiß schon, dass es sich hier um eine Flüssigkeitseinlagerung im Knochenmark des Oberarmkopfes vorn handelt?

Von Experten für Experten

Diagnosen werden im Medizinerlatein verfasst. Arztbriefe sind für andere Mediziner geschrieben. Doch Patienten möchten verstehen, was drin steht.

Kostenloser Service

Hilfe kommt von der Dresdner Initiative »Was hab ich?«: Medizinstudenten und Ärzte übersetzen Befunde kostenlos in eine verständliche Sprache – ehrenamtlich. Der Patient lädt seine Diagnose anonymisiert auf die Plattform hoch, der Befund wird aus dem Ärztelatein in ein verständliches Deutsch übersetzt und an den Patienten zurückgesandt.

Kein Tag ohne Anfrage

Zwei Medizinstudenten und ein Informatiker kamen im Januar 2011 auf die Idee, seitdem ist der Übersetzungsservice auf Erfolgskurs. Aus der fixen Laune heraus wurde eine gemeinnützige GmbH. »Die Nachfrage war sehr schnell sehr groß«, sagt Mitbegründer und Geschäftsführer Ansgar Jonietz: »Zwölf Minuten, nachdem wir online gegangen sind, kam die erste Anfrage.« Es gibt keinen Tag ohne Patientenanfrage. Inzwischen wurde ein virtuelles Wartezimmer eingerichtet. Denn pro Tag kann nur eine begrenzte Zahl von Befunden übersetzt werden.

Therapie-Empfehlungen gibt es nicht

»Wir schaffen rund 100 Befunde pro Woche«, sagt Jonietz. Neben Medizinstudenten beteiligen sich auch aktive sowie pensionierte Ärzte an dem Projekt. Seit 2011 wurden rund 32.000 medizinische Befunde verständlich aufgeschrieben. »Was wir nicht leisten, sind jegliche Interpretationen, Zweitmeinungen bei Verdachtsdiagnosen oder gar Therapie-Empfehlungen«, sagt Jonietz.

Arzt und Patient auf Augenhöhe

»Was hab ich?« arbeite unabhängig und nicht gewinnorientiert, sagt Jonietz. Die Initiative wolle Arzt und Patient auf Augenhöhe bringen. Zahlreiche Auszeichnungen hat sie bereits erhalten, unter anderem wurde Jonietz 2016 vom Gesundheitswirtschaftsmagazin »kma« zum »Manager des Jahres« gekürt. Gern und häufig höre das Team von Patienten: »Zum ersten Mal habe ich meine Erkrankung verstanden.«Von Katharina Rögner/epd

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Tel.: 069 / 92107-444
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