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Bahai

Die jüngste Weltreligion

picture alliance/ZB/euroluftbildWie ein Raumschiff aus ‧fernen Welten: In Hofheim-Langenhain im Taunus liegt das einzige europäische Bahai-Zentrum.

Die Bahai studieren die Heiligen Schriften aller Weltreligionen und verehren Jesus ebenso wie Mohammed oder Buddha. Die Anhänger der Glaubensgemeinschaft feiern in diesem Jahr weltweit den 200. Geburtstag ihres Religionsstifters Baha'ullah.

wikimedia commonsGründer der Bahai-Bewegung war der Perser Mirza Husain-Ali Nuri, ‧genannt Baha'ullah.

Der Gedanke, dass alle großen Weltreligionen gleich wahr sind, dürfte vielen Menschen fremdartig erscheinen. Für Barbara Nicke-Löffelmann ist die Vorstellung hingegen so selbstverständlich wie die Tatsache, dass Erstklässler in der Schule andere Dinge lernen als Abiturienten. Die Offenbarungen aus der Bibel, dem Koran oder den altiranischen Schriften Zarathustras wären demnach so etwas wie Gottes Lehrpläne für eine unterschiedlich weit entwickelte Menschheit. »Die Religionen bauen aufeinander auf«, so sieht es die Mainzerin, die dem Geistigen Rat der örtlichen Bahai-Gemeinde angehört.

Sieben Millionen feiern Geburtstag

Die weltweit mehr als sieben Millionen Anhänger der Bahai-Religion feiern in diesen Tagen den 200. Geburtstag ihres Religionsgründers Baha'ullah (1817- 1892). Er wurde am 12. November 1817 als Mirza Husain-Ali Nuri im iranischen Teheran geboren.
Die Bahai glauben an einen einzigen Gott, streben nach dem friedlichen Zusammenleben verschiedener Kulturen, schreiben aber ihren Anhängern nur relativ wenige verbindliche Glaubensinhalte vor.

Geistlichkeit oder ausgebildete Theologen gibt es nicht

»Ich bin Informatikerin«, sagt die Mainzerin Nicke-Löffelmann, »deshalb würde es mich abschrecken, wenn die Religion unlogische Dinge von den Menschen fordert.« Entscheidungen über religiöse Angelegenheiten treffen gewählte Gremien mit dem »Universellen Haus der Gerechtigkeit» im israelischen Haifa – dem Weltzentrum der Bahai – an der Spitze. Eine Geistlichkeit oder ausgebildete Theologen gibt es nicht.
»Der Toleranzgedanke bringt den Bahai große Sympathie«, sagt Friedmann Eißler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Bei aller Toleranz gegenüber anderen Religionen erhebe der Bahai-Glauben aber auch einen Wahrheitsanspruch für die eigenen Offenbarungen.

Andachten in Privatwohnungen

Die Anhänger der Bahai-Religion treffen sich für Andachten meist in Privatwohnungen. Auch Barbara Nicke-Löffelmann und ihr Mann Holger Löffelmann laden regelmäßig zu sich nach Hause ein: Wenn nicht mehr alle Gäste auf die Sofagarnitur passen, holen sie noch ein paar Stühle aus der Küche. Nachdem jeder einen Platz gefunden und eine Tasse Tee bekommen hat, beginnt die Versammlung. »Steh uns bei, oh Gott, mit den Heerscharen weiser Rede«, liest der Gastgeber aus einem Gebetsbuch. »Du bist gewaltig in allen Dingen.«
Reihum tragen auch die anderen Besucher nun Texte und Gebete vor -auf Deutsch, Persisch, Französisch, Spanisch und Arabisch. Die Mainzer Bahai-Gemeinde ist international. Angehörige anderer Religionen sind ausdrücklich eingeladen, an den geistlichen Gesprächen teilzunehmen. Sasan, Student aus dem Iran, ist Muslim. »Den Koran kann man nicht allein verstehen, aber bei dieser Religion gibt es keinen Imam und keinen Bischof«, sagt der junge Mann, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen will. Im Iran könnte ihn schon allein die Teilnahme an einem Bahai-Treffen in ernste Schwierigkeiten bringen.

Im Iran ist der Druck groß

Im Heimatland des Religionsstifters Baha'ullah sind die Bahai vermutlich die größte nichtislamische religiöse Minderheit und haben unter schweren Repressionen zu leiden. »Der Druck auf die Gemeinschaft ist groß«, bestätigt EZW-Experte Eißler. Fast die komplette Führungsspitze der iranischen Bahai sitze im Gefängnis. Auch in anderen Ländern des Nahen Ostens sei die Situation der Bahai prekär.

In Deutschland leben 5000 bis 6000 Bahai

Bereits Religionsstifter Mirza Husain-Ali Nuri, in Teheran geborener Sohn eines adeligen Großgrundbesitzers, war als Anhänger der persischen Babi-Reformbewegung inhaftiert worden. In einem Kerker erfuhr er dem Bahai-Glauben zufolge seine Offenbarung. Nach der Flucht aus Persien und einer jahrelangen Odyssee durch das damalige Osmanische Reich starb er, faktisch unter Hausarrest gestellt, im heutigen Israel. Er hinterließ eine große Anzahl von Offenbarungs-Schriften, die die Grundlage des Bahaitums bilden. Heute wird er als Baha'ullah (»Herrlichkeit Gottes«) verehrt.
Dass der Ursprung der Religion in muslimischen Ländern liegt, wird unter anderem daran deutlich, dass die Bahai – wie fromme Muslime – grundsätzlich keinen Alkohol trinken. Auch für die Gründung einer Familie gibt es Regeln: Zwar sind gemischtreligiöse Ehen kein Problem, aber vor einer Hochzeit ist die Zustimmung aller Elternteile erforderlich. Sex vor der Ehe ist den Bahai nicht erlaubt, gleichgeschlechtliche Ehen sind nicht vorgesehen.
In Deutschland leben Schätzungen zufolge 5000 bis 6000 Bahai. Und hier steht auch das einzige Bahai-Zentrum in Europa: das »Haus der Andacht« im hessischen Hofheim im Taunus. epd

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