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Finnische Gemeinde

Das Drängen in ihrem Herzen

esz /Timo Prinz»Wir brauchen diese Frau.« So heißt es im mitreißenden Musical, das rund 80 Mitwirkende in der finnischen Gemeinde am 21. Oktober aufführen werden. Die Musicalfiguren Riikka und Lea sind beste Freundinnen und besprechen auch ihre Lebensträume miteinander.

Frankfurt. Den tapferen Kampf der Missionarin Riika stellt die finnische Gemeinde Frankfurt in den Mittelpunkt ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten. Damit will sie ein Zeichen setzen in der leistungsorientierten Gesellschaft.

Die Entscheidung fiel Riikka nicht gerade leicht. Unzählige Male wägte sie das Für und Wider ab, unzählige Male fürchtete sie, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Doch das Drängen in ihrem Herzen siegt. In der Hoffnung, mit den Aufgaben zu wachsen, übernimmt sie den Platz des verstorbenen Missionars.

Menschen den christlichen Gott näher bringen

Die Sängerin verlässt dafür Familie und Freunde und verzichtet auf die Karriere in ihrer Band. Fortan verschreibt sich Riikka nur noch einem Ziel: Menschen den christlichen Gott näher bringen. Von dem will man freilich vielerorts nichts wissen. In einer indigenen Gruppe, die den Feuergott verehrt, sieht sie sich sogar vehementen Anfeindungen und höhnischem Spott ausgesetzt.

Die anderen schäumen vor Wut

Zunehmend mutlos, beginnt Riikka mit Gott zu hadern, fragt, warum er ihr nicht hilft, obwohl sie alles für ihn aufgegeben hat. Ihre Botschaft stößt schließlich bei einigen doch auf offene Ohren – unter anderem bei der Schwester ihrer größten Widersacherin. Die schäumt deswegen allerdings nur noch vor Wut, setzt das Gemeindehaus in Brand und bringt sich dabei selbst in Gefahr.

Liebe und Vergebung sind größer als Hass

Dass ausgerechnet Riikka sie aus den Flammen rettet, stimmt am Ende auch Tuuve sowie ihre Anhänger um. Weil sie auf die ihr zugefügten Scheußlichkeiten nicht mit Hass, sondern mit Liebe und Vergebung reagiert, heißt man nun Riikka mit den Worten »Wir brauchen diese Frau und einen solchen Glauben« willkommen. Den tapferen Kampf der Missionarin hatte die Finnische Missionsgesellschaft 1984 als Musical auf die Bühne gebracht. Unter dem Titel »Die Flammen« in Helsinki uraufgeführt, erzählt es von der Vielschichtigkeit des Lebens, von Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen und dem Wachsen von Vertrauen.

Die Botschaft von einem liebenden und gnädigen Gott

Der zentralen Aussage des Stücks misst die in Frankfurt ansässige finnische Pfarrerin für Südwestdeutschland, Hanna Savukoski, ungebrochene Bedeutung bei. »Gerade in der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft brauchen wir die Botschaft von einem liebenden und gnädigen Gott. Auch wenn die Formen, sie weiterzutragen sich im Laufe der Zeit geändert haben.«

Neuinszenierung des Musicals

Dass Finnland just im Jahr des Reformationsjubiläums den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit feiert, betrachtet die Pfarrerin als »glückliche Koinzidenz«. Das vormals zu Schweden gehörende Land sei seit Luthers Zeiten protestantisch und trotz steigender Kirchenaustritte bekennen sich noch immer 73 Prozent der Finnen zur Evangelisch-lutherischen Kirche. Nicht nur für Hanna Savukoski lag es deshalb nahe, dass »Religion beim Staatsjubiläum eine Rolle spielen soll«. So brachten in Deutschland die sechzehn finnischen Gemeinden in Kooperation mit der Finnischen Missionsgesellschaft und dem bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angedockten »Zentrum der finnischen kirchlichen Arbeit« (ZFKA) eine Neuinszenierung des Musicals auf den Weg.

Das zum Teil des offiziellen finnischen Jubiläumsprogramms avancierte Mammutprojekt stuft der frühere ZFKA-Vorstand Karl-Friedrich von Knorre in mehrerlei Hinsicht als bemerkenswert ein. Zum einen komme das mit Ausnahme der musikalischen Leitung und der Regie von Ehrenamtlichen gestemmte Unterfangen einem »logistischen Meisterwerk« gleich. Wegen der zentralen Lage wurden die gemeinsamen Proben der bundesweit verstreuten Gemeinden in Frankfurt und Köln anberaumt.

Talente werden sichtbar

Zum anderen fühlt sich Karl Friedrich von Knorre an das Bergen eines Schatzes erinnert. »Durch das Projekt wird deutlich, welches Können und welche Talente in den einzelnen Gemeinden schlummern.« Zumal unter den mehr als 80 Mitwirkenden einige Berufsmusikerinnen und - -musiker und professionelle Tänzerinnen seien und die Beteiligten den Titel »Die Flammen« wortwörtlich nehmen. »Alle sind entfesselt und entflammt bei der Sache.«

Begeisterung ist groß

Außerdem hat es Karl-Friedrich von Knorres Wissen nach »derartige Begegnungen zwischen den finnischen Gemeinden in Deutschland zuvor nie gegeben«. Bei den Proben seien völlig neue Kontakte und Freundschaften entstanden, fachte die Stimmgewalt der vereinten Chöre die Begeisterung nur noch weiter an. Die hat auch den Rechtsanwalt gepackt, der im Musical die Rolle des alten Missionars begleitet. »Ich habe zwar einen Solopart, trete aber nur einmal auf und sterbe dann gleich«, witzelt der passionierte Sänger, der seine erste Stimmbildung in Finnland erhielt.

Kleine finnische Oase

Dort verbrachte er den Großteil seiner Kindheit und Jugend, wurde konfirmiert und sang im Kirchenchor. Land, Leuten und Kultur bis heute eng verbunden, gehört Karl-Friedrich von Knorre der finnischen Gemeinde in Frankfurt an, wo er lange im Kirchenrat saß. Durch ihr Einzugsgebiet Rhein-Main sei sie mit 1500 Mitgliedern die größte bundesweit. Zu seiner Freude besitzt die Gemeinde »seit elf Jahren eine kleine finnische Oase in der Dornbuschgemeinde«, mit der man ausgezeichnet kooperiere und einmal im Monat Gottesdienst feiere. In der Dornbuschkirche ist daher auch das Musical zu sehen, für das man freilich keinen besseren Ort hätte finden können.

Ganz eigene Strahlkraft

Vor der imposanten Kulisse des 125 Quadratmeter großen Buntglasfensters, das aus rund 10.000 einzelnen Glasscheiben besteht und den gekreuzigten Christus zeigt, führen mit Herz und Seele beteiligte Akteure Riikkas Hoffen, Bangen und letztlichen Erfolg vor Aug und Ohr. Pfarrerin Hanna Savukoski und Karl-Friedrich von Knorre sind sich denn auch gewiss, dass die Inszenierung eine »ganz eigene Strahlkraft« entwickeln wird.Doris Stickler

In Frankfurt wird das Musical des bekanntesten finnischen Komponisten kirchlicher Gospelmusik, Pekka Simojoki, am 21. Oktober, 17 Uhr, in der Dornbuschkirche, Carl-Goerdeler-Straße 1, aufgeführt. Die Texte sind in finnischer Sprache, doch bietet das für fünf Euro erhältliche Programmheft eine inhaltliche Zusammenfassung auf Deutsch. Der Eintritt ist frei.

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