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Andacht

Danken heißt sich erinnern

Warum es sich lohnt, nicht immer nur vorwärts zu leben, sondern auch zurückzukehren

Niederramstädter DiakonieDas Haus Magdala der Nieder-Ramstädter Diakonie – vor und nach dem Abriss.

Nieder-Ramstädter DiakonieBrigitte Walz-Kelbel ist Religionspädagogin und Vorständin in der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie.

Während ich diesen Text schreibe, wird das Haus Magdala abgerissen. Es stand mehr als 80 Jahre auf dem Gelände der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) in Mühltal. Die Häuser der NRD haben biblische Namen bekommen, als sie eingeweiht wurden. So war es in vielen diakonischen Einrichtungen üblich. Magdala, nach Maria Magdalena genannt, sollte daran erinnern, »dass unser Herr auch heute noch Kranken und im Geist Geplagten (...) Rettung und Hilfe schenken kann«. So steht es im »Anstaltsbericht« aus dem Jahr 1954/55.

In Magdala lebten Menschen, die Unterstützung brauchten. Das Haus wurde anfangs für »unruhige Frauen« gebaut. So nannte man damals Frauen mit Behinderung, die nicht einfach still in einer Ecke saßen. Die Nazis töteten viele von ihnen in Hadamar und beschlagnahmten das Haus Magdala. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt es die Diakonie zurück. Erst war es eine Lungenheilstätte und ab den 1970er Jahren das Zuhause für rund 50 Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.

Wer das Haus Magdala von innen gesehen hat, versteht, wieso die Nieder-Ramstädter Diakonie die alte Anstalt aufgelöst hat und neue Wohnformen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung überall in Südhessen anbietet. Lange, dunkle Flure, zu beiden Seiten Mehrbett-Zimmer, großer Gemeinschaftsraum, ein zentrales Bad für alle. Die Bauweise und die damalige gesellschaftliche Denkweise passen zueinander. In der Anstalt waren diese Menschen ausgesondert.

Im Oktober 2016 sind die letzten Bewohner ausgezogen – und glücklich im neuen Zuhause angekommen. Alle Beteiligten entdecken seither ganz andere Möglichkeiten und Seiten an sich selbst. Es gibt viele Geschichten vom Glück in der neuen Umgebung. Ein paar Wochen nach dem Auszug haben wir alle zum Abschied von Haus Magdala und von der bisherigen Arbeitsstätte eingeladen. Wir wussten nicht: Werden sie kommen wollen? Jetzt, wo alles besser ist? Nicht alle kamen. Aber die meisten. Sie sind durch die Flure gegangen, haben sich alte Fotos angesehen, haben Geschichten von früher erzählt und Erinnerungen ausgetauscht.

Ich habe gespürt: In diesem Abschied lag Abschluss, Aufbruch – und Dankbarkeit. Danke für alles, was gut war in diesem Haus. Danke für manche Erkenntnis und Erfahrung, an der ich wachsen musste. Danke, dass ich an dem, was schwer war, nicht zerbrochen bin. Danke, dass ich hier sein, und Danke, dass ich nun gehen konnte. Den Rückblick der Menschen an diesem Nachmittag habe ich so verstanden: »Danke, dass es mir heute besser geht!«

Im Lukas-Evangelium steht die Geschichte, wie Jesus zehn Aussätzige heilt (Lukas 17,11-19). Nur einer von den zehn kommt zurück und dankt für seine Heilung. Ja – danken heißt sich erinnern. Sich noch einmal umdrehen und zurückgehen. Sich dem Vorherigen noch einmal aussetzen – in Gedanken, Gefühlen oder sogar in den Wänden.

Das ist nicht immer leicht. Aber es hilft. Es hilft, endlich etwas abschließen zu können, etwas loszulassen. Es hilft, Lasten abzulegen und zu Gott und zu sich selbst zu finden. Ich finde, es lohnt sich, dieser oder diese eine zu sein, die zurückkommt und dankt.

Von Brigitte Walz-Kelbel

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Losung und Lehrtext für Dienstag, 19. September 2017
Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des HERRN Namen anrufen und ihm einträchtig dienen. Zefanja 3,9
Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2,11

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Martin Vorländer
Theologischer Redakteur

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