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Andacht

Tür auf – kommen Sie rein!

Gott kann ich nicht so empfangen wie sonst einen Gast

iStock/flyparade»Soll ich die Schuhe ausziehen?« Kommt Gott zum verabredeten Zeitpunkt wie jeder andere?

privatPaul-Gerhard Nohl ist Pfarrer im Ruhestand und war Professor am früheren Predigerseminar in Friedberg.

Johannes der Täufer war sich sicher: Was die Propheten vorausgesagt haben, das passiert jetzt. Gott kommt. Darum: »Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!« (Lukas 3,4 nach Jesaja 40,3). Gott kommt. Er steht schon direkt vor der Tür. Die Frage ist, ob wir ihm aufmachen und wie wir ihn empfangen. Das ist für uns heute anders, und wir sollten unsere Adventszweifel und Probleme mit Weihnachten nicht verschweigen oder verdrängen. Wir fragen, wenn wir ehrlich sind: Kommt überhaupt jemand oder etwas? Jemand anderes als die, die wir selber für Weihnachten eingeladen haben? Passiert etwas anderes als das, was wir vorbereitet, gebastelt, gebacken, gekauft haben?

Es war und ist bis heute eine Kühnheit der Kirche, dass sie ein konkretes Kommen, das vor 2000 Jahren in Raum und Zeit stattfand, weiterhin so feiert, als käme wiederum der eine, der ganz andere so konkret und persönlich wie Jesus von Nazareth damals in die Welt. Aber wir wissen doch: So kommt er nicht, weder zu Weihnachten noch sonst wann. So kann ich Gott nicht empfangen, wie ich sonst einen Gast empfange: Tür auf – kommen Sie rein!

Wenn der eine, wenn der ganz andere kommt, dann kommt er im Wort, im Bild, im Symbol. Aber wie erkenne ich sein Wort, verwechselbar mit tausend anderen Menschenworten und Parolen? Ich muss an einen Propheten denken, der sagte: »Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing.« (Jeremia 15,16) Wenn ich meinen Kinderglauben auch zur Weihnachtszeit hinter mir lasse und den einen und ganz anderen empfangen will, dann sollte ich mit dem »Wort« umgehen wie mit einer Speise.

Das kann heißen: suchen, welche Speise wirklich nährt. Nicht noch etwas reinstopfen, obwohl ich schon übersatt bin. Immer mehr vom selben, das ist bewusst und unbewusst oft unser Lebensstil, auch im Umgang mit dem Wort. Was lasse ich doch alles in meine Ohren rein! Gottes Wort als Sahnehäubchen auf allem anderen obendrauf – da wird das Wort des einen und ganz anderen sauer. Darum ist Adventszeit ursprünglich als Fastenzeit gedacht. Vielleicht kann ich mich im Fasten der Ohren üben. Also nicht mehr so viel über die Ohren »reinziehen«. Nicht einmal so viel von der schönen Weihnachtsmusik. Aber das, was ich höre – Wort oder Musik –, mit ungeteilter Aufmerksamkeit hören.

Ein weiteres Weihnachtsproblem ist die Termingebundenheit. Gott soll ausgerechnet an einem festen Tag kommen, am 24. Dezember. Wenn wir damit wirklich so etwas wie Gott und nicht den Weihnachtsmann meinen, widerspricht das doch allem, was wir sonst von Gott erfahren.

Es war und ist eine Kühnheit der Kirche, dass sie das Kommen des einen und ganz anderen vor 2000 Jahren bis heute als datumsmäßiges Fest feiert. So schwierig das ist, eines wird damit bewahrt: Jesus wurde in die Welt geboren, nicht ins stille Kämmerlein abgeschieden vom Zeitgeschehen. Gott will es mit dir und mir ganz persönlich zu tun haben, aber mit dir und mir als Teil seiner ganzen großen Welt. Die Bereitschaft vieler Menschen, zur Weihnachtszeit anderen Gutes zu tun, sollten wir nicht verächtlich machen. Sie ist ein Zeichen für das Wissen: Ich bin mit meinen Möglichkeiten zu helfen ein Teil der Welt, die Gott erlösen will.

Von Paul-Gerhard Nohl

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Bibelwort des Tages

Losung und Lehrtext für Sonntag, 17. Dezember 2017
Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und diene dem HERRN, deinem Gott. 1.Könige 2,1-2.3
/Paulus schreibt:/ Wir lassen nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, dass ihr, des Herrn würdig, ihm ganz zu Gefallen lebt und Frucht bringt in jedem guten Werk. Kolosser 1,9-10

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Martin Vorländer
Theologischer Redakteur

Tel.: 069 / 92107-443
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