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Andacht

Auf der Suche nach Anerkennung

Bauchkribbeln vor dem ersten Schultag: Wie wird Schule zu einem guten Ort?

pixelio.de/Thomas Max Mülle, Peter Siegmayer/Siegfried Fries, campariEinschulung 1935, 1954 und heute.

RPI GießenChristine Weg-Engelschalk ist Pfarrerin und Studienleiterin am Religionspädagogischen Institut der EKKW und der EKHN.

Jetzt dauert es nicht mehr lange, dann ist es wieder so weit. Die Erstklässler und Erstklässlerinnen werden eingeschult. Können Sie sich noch daran erinnern, wie Ihnen damals als Kind zumute war? Holen Sie sich doch einmal die Fotos heraus, und sehen Sie sich die Gesichter an. Der erste Schultag wurde sehnsüchtig erwartet, aber auch mit Kribbeln im Bauch. Man ist plötzlich umringt von vielen anderen Kindern, die man nicht alle kennt, an einem fremden Ort, mit fremden Regeln.

Schon bald sortiert sich die Klasse: Es zeigt sich, wer die Wortführer sein werden, wer oft von der Lehrerin drangenommen wird, wer einen besonders schönen Ranzen hat und mit wem man sich befreunden kann. Gar nicht so einfach, hier gesehen und gehört zu werden, sich einen Platz zu erobern im Herzen der Lehrerin und bei den Mitschülerinnen und Mitschülern.

Häufig sind es die Jungs, die sich darauf einstellen, dass sie dem einen oder anderen aus der Klasse schon noch zeigen werden, wer hier der Stärkere ist. Und es gibt Mädchen, die es kaum wagen, laut zu sprechen. Alle sind auf der Suche nach Anerkennung. Sie wollen wahrgenommen und gemocht werden, so wie sie sind, unabhängig von dem, was sie können.

Wie schön wäre es, wenn hier jedes Kind in seiner Besonderheit gesehen und gehört würde, wenn es sich gut aufgehoben fühlte. Dann wäre es kein Problem, Fehler zu machen, »dumme Fragen« zu stellen. Es wäre nicht schon bald zu spüren, dass an diesem Ort verglichen und bewertet wird.

Kurz vor den Ferien wurde eine Schulpfarrerin in den Ruhestand verabschiedet. Sie unterrichtete lange an einem Gymnasium und war dort die Schulseelsorgerin. Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen waren gekommen, um sich von ihr zu verabschieden. Ein ehemaliger Schüler, der schon vor einigen Jahren Abitur gemacht hatte, hielt eine bewegende Rede. »Zum Abschluss meiner Rede wird es noch einmal kitschig, und zugleich ist es wahr«, sagte er. »Ohne Dich wird die Schule nicht mehr so sein, wie sie einmal war. Du hast sie zu einem besonderen Ort gemacht, weil Du uns gesehen und gehört hast. Du hast Dir Zeit für unsere Fragen und Zweifel genommen, unabhängig von unseren Leistungen und Erfolgen. Weil Du da warst, ist die Schule für mich zu einem anderen Ort geworden, an dem ich gerne Zeit verbracht habe.«

Hoffentlich treffen die Kinder, die jetzt bald in die Schule kommen, dort auf Menschen wie diese Schulpfarrerin. Menschen, die die Schule zu einem anderen Ort machen, die die einzelne Schülerinnen und Schüler sehen und wahrnehmen, ihre Sorgen und Zweifel mit ihnen aushalten, die sie unterstützen, wenn sie das Gefühl haben, von vielen anderen umringt zu sein, die vermeintlich stärker und schlauer sind als sie.

Hoffentlich erleben die Erstklässler Menschen, in deren Tun die Liebe Gottes aufblitzt. »Du bist unendlich wertvoll«, das wird einem Menschen schon in der Taufe zugesichert, wenn er oder sie noch winzig klein und hilflos ist. »Du bist unendlich wertvoll.« Wenn die Kinder ab der ersten Klasse das in der Schule erfahren, haben sie fürs ganze Leben gelernt.

Von Christine Weg-Engelschalk

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Losung und Lehrtext für Sonntag, 23. Juli 2017
Lasst euer großes Rühmen und Trotzen; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 1.Samuel 2,3
Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 1.Johannes 3,18

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