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Andacht

Jesus hat ganzen Menschen im Blick

Die Heilung eines Gelähmten ist eine gleich dreifach überraschende Glaubensgeschichte • Von Friedhelm Grund

picture alliance/Paul ZinkenDer Panda liegt ganz entspannt, vermutlich freiwillig. Im Gegensatz zu manchen Menschen, die nicht aufstehen können, weil ihnen zum Beispiel der innere Antrieb fehlt.

privatFriedhelm Grund ist Pastor und Leiter der Klinikseelsorge an der Klinik Hohe Mark in Oberursel .

Sonntagmorgen. Die Mutter steckt ihren Kopf ins Zimmer und ruft: »Es ist Zeit, Klaus. Du musst aufstehen. Gleich beginnt der Gottesdienst.« – »Was soll ich da?« reagiert Klaus verstimmt. »Da sind Menschen, die mögen mich nicht. Nenn mir einen Grund, warum ich da hin soll.« – »Du bist der Pastor der Gemeinde!« Als Klinikseelsorger begegnen mir immer wieder Menschen, die nicht mehr »hoch kommen«. Sie fühlen sich wie gelähmt. Nach außen funktionieren sie. Sie arbeiten, sie reden, sie geben sich von ihrer besten Seite, aber tief innen drin ist alles wie abgestorben: keine Freude mehr, keine Kraft – nur noch abgrundtiefe Leere.

Markus erzählt in seinem Evangelium die Geschichte von der Heilung eines Gelähmten (2,1–12). Eine Glaubensgeschichte voller Überraschungen. Überraschung Nummer 1: Es gibt einen Glauben, der nicht mehr auf die Beine kommt. Wie ein Lauffeuer hat es sich herumgesprochen. Jesus ist in der Stadt. Alle sind auf den Beinen. Alle wollen den Mann hören, dem man große Dinge nachsagt. Alle? – Naja, nicht ganz alle. An einem geht der ganze Hype völlig vorbei. Während die anderen Jesus an den Lippen hängen, hängt er einfach nur durch. Er liegt, er läuft nicht. Er kommt nicht mehr auf die Beine. Aber er hat Freunde. Sie wollen ihren gelähmten Freund nicht einfach so liegen lassen.

Überraschung Nummer 2: Es gibt einen Glauben, der Jesus aufs Dach steigt. Gottesdienst in einem kleinen Fischerhaus. Die Menschen lauschen dichtgedrängt der Botschaft des Redners. Auf einmal wackeln die Öllampen. An der Decke zeigen sich erste Risse. Lehm bröckelt auf die andächtigen Häupter. Vier Männer seilen einen Gelähmten ab – direkt vor Jesu Füße. Was für Freunde! Freunde, die aktiv werden, wenn man nicht mehr auf die Beine kommt! Sie wagen etwas, sie packen an. Sie decken nicht mit Worten auf, sie decken ein Dach auf, seilen den Gelähmten mit Muskelkraft ab. Eigentlich ist ihr Tun unverschämt. Der Hauseigentümer könnte sie wegen Hausfriedensbruch verklagen. Aber keiner regt sich auf. Im Gegenteil: Jesus adelt das Verhalten der Freunde sogar. Er sieht in ihrem Verhalten einen Glauben, der Bewegung in das Leben des Gelähmten bringt.

Überraschung Nummer 3: Es gibt einen Glauben, der tieferen Schaden heilt. Jesus heilt den Gelähmten, aber wie er das tut, irritiert. Er sagt: »Mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben.« Jesus vergibt, bevor er heilt. Die Reihenfolge überrascht. Unser medizinischer Sachverstand sagt sofort: Absolution schön und gut, aber der Mann braucht etwas anderes. Für Jesus ist Gesundheit wichtig, aber Gesundheit ist nicht alles. Jesus hat immer den ganzen Menschen im Blick. Ein Mensch, der von einer Krankheit geheilt worden ist, ist noch lange nicht heil in seiner Persönlichkeit. Es ist wichtig, dass verborgene und verdrängte Anteile ans Licht kommen. Der Ehrgeiz, der uns auffrisst. Der Neid, der uns bitter macht. Die Habgier, die keine Grenzen kennt. Krankheiten sind nicht selten Symptome tiefgreifenderer Störungen. Markus erzählt uns eine Geschichte, die nachdenklich macht.

Der Glaube ist gut für viele Überraschungen: Er kommt manchmal nicht mehr auf die Beine. Er steigt anderen aufs Dach. Und er heilt den tieferen Schaden, nicht nur das, was obenauf liegt.

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Losung und Lehrtext für Donnerstag, 19. Oktober 2017
HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Psalm 92,6
Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit. Kolosser 2,7

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