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Meinung

Tag für das Glück

N. KohlheppAndrea Seeger

Es fing ganz sanft an mit den Öffnungszeiten der Geschäfte, setzte sich dann immer weiter fort. Das »Gesetz über den Ladenschluss« von 1956 erlaubte Geschäften in der Bundesrepublik montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr zu öffnen. Samstags mussten sie um 14 Uhr schließen. Seit 1957 durften die Geschäfte am ersten Samstag im Monat bis 18 Uhr öffnen, seit 1960 auch an den vier Adventssamstagen. 1989 brachte der »lange Donnerstag« Öffnungszeiten bis 20.30 Uhr. Der sollte eigentlich bis 21 Uhr dauern, der Erfolg war aber so umstritten, dass die Erweiterung gestutzt wurde. Schon damals sagten Kritiker: Die Verbraucher können das Geld, das sie haben, nur einmal ausgeben.

Seit 1996 durften Geschäftsleute wochentags bis 20 Uhr verkaufen, samstags bis 16 Uhr. 2003 erlaubte das Gesetz Ladenbetreibern, auch an Samstagen bis 20 Uhr zu öffnen. Mit der Föderalismusreform von 2006 ging die Gesetzgebungskompetenz für den Ladenschluss vom Bund auf die Länder über. Berlin reagierte als erstes und gab die Öffnung rund um die Uhr frei. Andere Länder folgten. Seither gibt es erbitterten Streit um die Ladenöffnungszeiten am Sonntag. In Hessen sind vier Sonntage im Jahr erlaubt, gekoppelt an Messen oder Märkte.

In Nordrhein-Westfalen hat sich die neu gewählte CDU/FDP-Koalition bereits darauf verständigt, statt vier künftig acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr zuzulassen. In Hessen läuft das geltende Gesetz 2019 aus. Schon im nächsten Jahr will die Landesregierung in Wiesbaden, bestehend aus CDU und Grünen, prüfen, ob sie es in dieser Form verlängern oder ob sie es ändern will. Der Einzelhandel macht Druck. Begründung: Online kann man immer kaufen, auch am Sonntag.

Das ist kein Argument. Denn der Online-Handel macht auch nachts um 24 Uhr Geschäfte, der Computer bietet schließlich rund um die Uhr eine Verbindung ins Internet. Kleiner Tipp: Wer Waren in einem Geschäft verkauft, kann das auch online tun. Viele machen das längst, nutzen die Gunst der Stunde und stellen sich breit auf.

Und natürlich sind die Bürger nicht nur Konsumenten, sondern auch Menschen. Im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes heißt es dazu ausdrücklich: »Der Sonn- und Feiertagsgarantie kann ein besonderer Bezug zur Menschenwürde beigemessen werden, weil sie dem ökonomischen Nutzendenken eine Grenze zieht und dem Menschen um seiner selbst willen dient.«

Dem Menschen um seiner selbst willen dienen – eine schöne Formulierung. Was das heißt? Am Sonntag kann der Mensch sein, wie er will. Er kann ausschlafen, stundenlang frühstücken, auf der Couch liegen und Löcher in die Decke starren, in die Kirche gehen, genüsslich die Zeitung lesen, Musik hören, Sport treiben, sich mit Freunden treffen, für die Familie da sein. Er oder sie ist keinerlei ökonomischen Zwängen unterworfen. Weil dieser Tag so anders ist als die anderen Tage, bietet er auch ganz andere Möglichkeiten.

Das ist wichtig, gerade in Zeiten, in denen sich so viele Dinge verändern, in denen eine große Unsicherheit herrscht. »Bekommen ich Arbeit auf Dauer oder nur befristet?« »Wie sieht mein Arbeitsplatz in Zukunft aus angesichts der Digitalisierung?« »Kann ich eine Wohnung in der Stadt finanzieren?« »Kann ich mir Kinder leisten?« »Hält mich mein soziales Netzwerk, wenn es mal nicht so gut läuft?«

Der Sonntag ist Beziehungstag, und nichts macht Menschen glücklicher als Beziehungen zu anderen Menschen, zu Partnern, Familie, Kindern und Freunden. Was macht Menschen noch glücklich? Da sind sich die Glücksforscher relativ einig: eine erfüllende Arbeit, Freizeitaktivitäten, die fördern und fordern sowie Glaube, Religiosität und Spiritualität. Einkommen und Konsum liegen übrigens weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

Von Andrea Seeger

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