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Blickpunkt

Das Unerträgliche in Frieden verwandeln

Suizid im Alter

iStock.de/mcbruggDepression und Einsamkeit spielen eine Rolle, wenn alte Menschen sich das Leben nehmen.

Das Alter bringt für die meisten Menschen Einschränkungen mit sich. Frauen können sich damit besser arrangieren, sagt der Gerontologe Uwe Sperling.

Wenn von steigender Lebenserwartung die Rede ist, bleibt ein Aspekt meist ausgespart: je höher das Alter, umso höher die Suizidgefährdung. Nehmen sich unter den 70-Jährigen jährlich etwa 25 von 100 000 Personen das Leben, sind es unter den Mittachtzigern schon doppelt, den Endachtzigern sogar mehr als dreimal so viele. Auffallend ist hierbei der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Liegt die Suizidrate von Frauen in jeder Altersgruppe deutlich niedriger, wächst der Abstand ab dem achten Lebensjahrzehnt eklatant. In dieser Lebensphase werden Suizide zu zwei Dritteln von Männern verübt.

Das Leben als Last

Betagte Frauen rechnet der Gerontologe Uwe Sperling zwar ebenfalls der »Hochrisikogruppe« zu. Seiner Erfahrung nach können sie sich jedoch besser mit jenen Einschränkungen arrangieren, durch die das Leben oft nur noch als Last empfunden wird: chronische Krankheiten, wachsende Abhängigkeit oder das Schwinden sozialer Beziehungen.

Depression spielt eine große Rolle

Wie er im Agaplesion Markus Krankenhaus bei der Veranstaltung »Suizid und Suizidprävention im Alter« unterstrich, spielen bei »83 Prozent der suizidalen Gedanken und Handlungen Depressionen oder Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit« eine tragende Rolle. Mehr noch als bei anhaltenden Schmerzen oder Vereinsamung werde der Tod dann als letzter Ausweg gesehen. »Der Suizid soll das Unerträgliche in paradiesischen Frieden verwandeln«, sagte der Mannheimer Altersexperte. Zumal bei ihnen in der Regel Scham oder Schuldgefühle einer

Klagen über Kosten belasten alte Menschen

Zusätzlich Druck erzeugen zu Sperlings Leidwesen die verbreiteten Klagen über Kosten, die die Überalterung der Gesellschaft mit sich bringe. Sie verstärkten bei alten Menschen das Gefühl, nur noch zur Last zu fallen. Umso wichtiger seien präventive Aktivitäten. »Das A und O ist das Erkennen von Warnsignalen.«

Wunsch nach Testament sollte aufhorchen lassen

Auf eine suizidale Gefährdung deuteten etwa Verhaltensänderungen wie der plötzliche Wunsch, ein Testament zu verfassen, die Aufgabe gewohnter Interessen oder lebensüberdrüssige Äußerungen hin. Als Fehler betrachtet es Uwe Sperling, nach dem Motto »Nur nicht auf dumme Gedanken bringen« beim Verdacht, dass Todeswünsche bestehen, entsprechende Gespräche zu vermeiden. Gerade dann sollte man mit der Person reden – allerdings ohne zu urteilen und zu werten.

Sorge, Akzeptanz und Assistenz

Hinsichtlich Suizidalität existieren für den Gerontologen drei grundlegende Haltungen: »Prävention als Verpflichtung zu Sorge und Fürsorge, Akzeptanz als Respekt vor Würde und Selbstbestimmung sowie Assistenz als möglicher Ausdruck der Mithilfe zu friedvollem Sterben.«

Aufklärungsgespräche verändern den Blick

»In der Schweiz haben die assistierten Suizide inzwischen das Niveau der unassistierten erreicht«, sagt Sperling, der in der Sterbehilfe gar ein Stück Präventionsarbeit entdeckt. Dass sich »ein Drittel der Bewerber letztlich gegen den Suizid entscheiden«, hänge viel mit den Aufklärungsgesprächen zusammen.

Soziale Einbindung stabilisiert Menschen

Als Mitglied der Arbeitsgruppe »Alte Menschen« im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland steht für ihn an erster Stelle, gefährdeten Menschen Offenheit und Vertrauen entgegenzubringen, Beziehungen oder konkrete Aktivitäten anzubieten, sie emotional zu entlasten und eventuell Therapien einzuleiten. Die vor Suizid schützenden Faktoren seien bekannt: »Psychische Widerstandsfähigkeit, soziale Einbindung, das Akzeptieren von Beschwerden sowie Religion und Spiritualität.« Freilich könne etwa eine Krebsdiagnose oder der Verlust des Partners auch stabile Personen in eine suizidale Krise stürzen.

Doris Stickler

Die Arbeitsgruppe »Alte Menschen« im Nationalen Suizidpräventionsprogramm hat zum Suizid im Alter die Broschüren »Wenn das Alter zur Last wird« und »Wenn alte Menschen nicht mehr leben wollen« herausgegeben. Sie sind kostenlos beim Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 481009, 18132 Rostock oder unter www.suizidpraevention-deutschland.de/downloads.html zu beziehen.

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