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Blickpunkt

Zeit des Ausruhens ist vorbei

EKHN-Pfarrerinnentag

esz /prviatEinen Solidaritätsgruß senden die hessen-nassauischen Pfarrerinnen nach Lettland, wo im vergangenen Jahr die Frauenordination abgeschafft wurde.

Frankfurt. Für Donald Trump sollen Frauen am besten hübsch aussehen und das tun, was er will. Ein Einzelfall? Nein, leider nicht. Der Antifeminismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Ich dachte, wir haben es geschafft.« Ernüchternd klingen die Worte, die Gabriele Scherle an ihre Kolleginnen bei ihrem letzten offiziellen Besuch des Pfarrerinnentags der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) richtet. Scherle wird in diesem Jahr in den Ruhestand gehen. Ein wenig Wehmut schwingt bei ihren Worten mit, wenn sie aufzählt, wie viele Frauen in Frankfurt eine Führungsposition innehatten, als sie vor elf Jahren in das Pröpstinnen-Amt gewählt wurde.

Auf Frauen im Amt folgen Männer

Viele Stellen Doch mit der Zeit folgten auf Petra Roth ein Oberbürgermeister Peter Feldmann, auf Esther Gebhardt ein Stadtdekan Achim Knecht, auf die Pröpstin Scherle wird Propst Oliver Albrecht folgen. »Das muss einen doch nachdenklich machen«, so Scherle, die sich mit rund 100 Pfarrerinnen, Vikarinnen und Theologiestudentinnen zum 35. hessen-nassauischen Pfarrerinnentag zum Thema »Hass auf freie Frauen. Über den Zusammenhang von Rechtspopulismus, Nationalismus und Antifeminismus« in Frankfurt getroffen hat.

Wissenschaftlerinnen werden nicht zur Reformation befragt

Die Historikerin Katharina Kunter kritisiert, dass die Deutungshoheit über Martin Luther im Jahr des Reformationsjubiläums eindeutig bei Männern liege. Dabei gäbe es genügend Wissenschaftlerinnen und Theologinnen, die sich kompetent zu dem Thema äußern könnten. Diese würden jedoch nicht gefragt. Margot Käßmann als Reformationsbotschafterin sieht Kunter kritisch. Sie repräsentiere und »fülle die Seelen« der Menschen, doch mische sie sich nicht in theologische Diskussionen ein. Es sei eine typische Frauenrolle.

Protestantismus galt als männlich

Ursachen dafür sieht die Historikerin unter anderem im 19. Jahrhundert. Während des 400. Reformationsjubiläums 1917 sei Luther als nationaler Held und auch als neuer deutscher Mann gefeiert worden. Gleichzeitig hätten sich die evangelischen Frauenvereine und -verbände gegen die liberale, bürgerliche und sozialistische Frauenbewegung positioniert. Der Protestantismus habe als männlich, der Katholizismus als weiblich gegolten. Diese Traditionslinie des 19. Jahrhunderts sei bis heute nicht abgebrochen.

Erfolge des Feminismus machen Männern Angst

Die Theologin Antje Schrupp sieht im aufkommenden Antifeminismus keinen Rückfall in die 1950er Jahre. Viel eher erkennen immer mehr Männer heute, dass der Feminismus etwas ändern wollte und dies auch getan habe. Dies mache ihnen Angst. »Ein wenig können wir den Hass auf freie Frauen auch als Lob dafür sehen, dass wir für manche eine Gefahr sind«, sagt Schrupp. Sie ruft die Frauen dazu auf, wieder mehr Konflikte zu wagen.

Viele Frauen hätten sich in den vergangenen Jahren zu sehr auf dem Erreichten ausgeruht und dabei verpasst, ihre Ideen in den Köpfen der Menschen zu verankern. »Wir haben zu wenig dafür gekämpft, dass Frauen das sagen dürfen, was nicht von einer Frau erwartet wird.« Denn wenn sie dies tue, sie als freie Frau agiere, ernte sie Hass. Viele Errungenschaften seien von oben verordnet worden. »Wir müssen Veränderungen aber kulturell verankern, damit sie auch bleiben, wenn sich die Macht verändert«, sagt Schrupp.

Stefanie Bock

www.pfarrerinnentag-ekhn.de

Millionen Menschen vom Hungertod bedroht

Humanitäre Katastrophe

WFP/George Fominyen/epdEine Mutter mit ihrem von Mangelernährung bedrohten Baby in Thonyor Payam im Südsudan.

Die Situation am Horn von Afrika ist dramatisch: Wenn nicht sofort und für längere Zeit geholfen wird, verhungern Hunderttausende Menschen. Viele deutsche Hilfswerke sind in der Region tätig und bitten um Spenden.

Die Welt steht nach Einschätzung der Vereinten Nationen vor der schwersten humanitären Krise seit 1945. In vier Ländern in Afrika und dem Nahen Osten könnten Millionen Menschen verhungern, warnte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien. Hungersnöte drohen demnach in Somalia, dem Jemen und Äthiopien. Im Südsudan wurde die Schwelle zur Hungersnot überschritten.

Schwerste humanitäre Katastrophe seit Gründung der Vereinten Nationen

»Wir stehen an einem kritischen Punkt in der Geschichte«, sagte O'Brien nach einer Reise in die betroffenen Länder. »Bereits seit Jahresbeginn kämpfen wir mit der schwersten humanitären Krise seit der Gründung der Vereinten Nationen.« Ohne den gemeinsamen Einsatz der internationalen Gemeinschaft drohten rund um das Horn von Afrika Hungersnöte, massive Flüchtlingsbewegungen und Rückschläge bei jüngsten Erfolgen der Wirtschaftsentwicklung.

Den Vereinten Nationen fehlt noch viel Geld

UN Nur mit dem nötigen politischen Willen könne das Leiden der Menschen beendet werden, erklärte O'Brien. Im Südsudan sind durch den Bürgerkrieg 7,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, im Jemen etwa zwölf Millionen. In Somalia ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung betroffen. 2011 verhungerten dort etwa 260 000 Menschen. Doch die UN haben bislang nur ein Zehntel des für das Land benötigten Geldes erhalten.

Auslöser für die Hungerkrisen sind vor allem Bürgerkriege und Konflikte sowie Dürre infolge des Klimawandels und ausbleibender Regenzeiten.

Spendenbereitschaft ist flach, aber stetig

»Die Spendenbereitschaft bei akuten Notfällen wie beim Erdbeben in Nepal steigt rasant an und sinkt ebenso schnell wieder«, erläutert die Sprecherin von »Save the Children«, Anna Blässer, in Berlin. »Bei längerfristigen Krisen wie der aktuellen am Horn von Afrika ist die Spendenbereitschaft flacher, dafür kontinuierlicher.« Bei dem Kinderhilfswerk gingen seit Mitte Februar deutlich mehr Spenden für Ostafrika ein, parallel zur gestiegenen Präsenz der Hungersnot in den Medien.

Es fehlen noch die vielen kleineren Beträge

»Aktion Deutschland Hilft« hingegen sieht im Moment noch keine ausreichende Berichterstattung. Erst wenn ein Thema es auf die Titelseiten schaffe, bekomme es so viel Aufmerksamkeit, dass es sich deutlich in der Spendenbereitschaft zeige, sagte die Leiterin der Spendenabteilung des Bündnisses, Anja Trögner. »Wir haben im Moment viele Spenden von Stammspendern, aber es fehlen noch die vielen kleinen Spenden von 20, 50 Euro«, erläuterte Trögner, zu deren Bündnis zahlreiche Hilfswerke wie Care, World Vision, der ASB, die Malteser, die AWO und Islamic Relief zählen.

Mediale Aufmerksamkeit führt zur Hilfe

Auch die Diakonie Katastrophenhilfe geht davon aus, dass die Spendenbereitschaft noch steigen wird. Die mediale Aufmerksamkeit der vergangenen Wochen habe zu schnellen ersten Zuwendungen geführt, sagte ein Sprecher des evangelischen Hilfswerks. Doch da sich die Situation in Ostafrika in den kommenden Wochen noch verschärfen könne, müsse die Aufmerksamkeit für die Region weiter hoch bleiben. Etwa für Mai wird mit Beginn der Regenzeit gerechnet, doch die Niederschlagsprognosen für die Region sind schlecht.

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