Evangelische-Sonntags-zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Blickpunkt

Untreue, Inzest und Sintflut

Bibiblisches Theater

esz/Seweryn ZelaznyJosef ist zu Ansehen gekommen, seine Brüder huldigen ihm.

FRANKFURT. Komisch, aber ohne vom überlieferten Text abzuweichen, präsentiert das Theater Willy Praml das 1. Buch Mose. Darin ist Jakob zeitweise ganz schön im Stress.

Doris SticklerWilly Praml bringt immer wieder biblische Stoffe auf die Bühne.

Irgendwann kreuzt auf der Bühne der beigefarbene Campingbus auf. Modell 70er Jahre und mächtige Abgaswolken verströmend. Am Steuer Jakob, neben ihm Laban, sein gerissener Schwiegervater. Der Wagen parkt, die Männer steigen aus, entladen Klappstühle, Teppiche und einen Kugelgrill.

Strapaziöser Fortpflanzungsmarathon

Bald bevölkern auch Rahel, Lea und ihre beiden Mägde die Szene, doch Muße steht beim Familienausflug nur für Laban auf dem Programm. Während der es sich am Grill gemütlich macht, startet für die anderen ein strapaziöser Fortpflanzungsmarathon. Schließlich sind zwölf Stämme in Umlauf zu bringen.

Paare verschwinden im Campingbus

Eigentlich für Rahel entflammt, muss sich Jakob auf Labans Geheiß auch mit der Schwester begatten. So verschwindet er mal mit der einen, mal der anderen im Campingbus. Und weil nur Lea einen fruchtbaren Schoß besitzt, schickt Rahel noch ihre Magd in den Zeugungswettbewerb. Als die eigene Empfängniskraft erlahmt, schickt Lea auch die ihre.

Blaue Strampelanzüge in langer Reihe

Ständig öffnet und schließt sich in Folge die Busschiebetür und immer mehr hellblaue Strampelanzüge reihen sich draußen auf der Wäscheleine. Endlich zeigt Gott mit Rahel Erbarmen und gewährt auch ihr einen Sohn. Es ist Josef, dem die Schar der Halbbrüder recht übel zusetzen wird.

Von der Erschaffung der Welt bis zu Jakobs Söhnen in Ägypten

Von der komischen Seite wurde die Episode aus dem 1. Buch Mose bislang selten betrachtet. Dies übernimmt jetzt das Theater Willy Praml in seiner Produktion »Genesis. Altes Testament«, und zwar ohne vom überlieferten Text abzuweichen. Worten und Chronologie gleichermaßen treu, führt das zwölfköpfige Ensemble den Ursprungsmythos vor Augen. Er erstreckt sich von der Erschaffung von Himmel und Erde bis zum Aufenthalt der Söhne Jakobs in Ägypten.

Erinnerung an viele Details

Jüdisch, christlich oder muslimisch geprägten Zeitgenossen im Prinzip zwar bekannt, dürften sich die meisten Zuschauer dennoch an allerlei Vergessenes erinnern. Noahs erste Tat auf festem Grund dürfte zum Beispiel nur absolut Bibelfesten noch gegenwärtig gewesen sein. Kaum der Arche entstiegen, legte der Stammvater aller Völker einen Weinberg an und lag zum Schrecken seiner Söhne schließlich sturzbetrunken und völlig entblößt im Zelt herum. Noahs Gesundheit jedoch ist der Rebensaft offenbar gut bekommen. Er hielt immerhin stolze 950 Jahre durch.

Religionsunterricht reloaded

Wenngleich extrem detaillierte Einblicke, wie etwa wer sich in dem verästelten Stammbaum alles mit wem in welchem Alter zusammen tat, die Aufnahmekapazität bisweilen an die Grenze treiben, wohnen die Besucher einer insgesamt beeindruckenden Inszenierung bei, einer Art Religionsunterricht reloaded.

Geschehen ist nicht nur vergnüglich

Dank unterschiedlichster Spielweisen, Stilmitteln und Ausdrucksformen sowie Live-Musik ist die Geschichte einfallsreich umgesetzt. Bei einer Vorlage, durch die sich Hinterlist und Gewalt wie ein roter Faden zieht, kann das Geschehen allerdings nicht nur vergnüglich sein. Nachdem er vom ersten Schöpfungsversuch nur Noah samt Anhang übrig lässt, muss selbst Gott eingestehen: »Das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an«. Daher beschließt er, sich künftig nicht mehr einzumischen und die Erdenbürger sich selbst zu überlassen.

Im allerletzten Satz verlässt die Aufführung den originären Text. Nicht zufällig sprechen zwei Geflüchtete in »Genesis. Altes Testament« die finalen Worte: »Und Gott sah, dass es

Das Stücke »Genesis. Altes Testament« ist am 2.,3.,4.,11. und am 30. September sowie am 1., 2., 3., 7., 15. und 16. Oktober um jeweils 19 Uhr im Theater Willy Praml, Wittelsbacherallee 29, in Frankfurt zu sehen. Eintritt: 8 bis 22 Euro. Weitere Informationen unter Telefon 069/43054734 oder www.theater-willypraml.de.

Diese Seite:Download PDFDrucken

Ihre Ansprechpartnerin

Renate Haller (rh)
Chefin vom Dienst

Tel.: 069 / 92107-444
E-Mail

Evangelische Sonntags-
Zeitung kostenlos lesen

ev. Sonntags-Zeitung testen

Bestellen Sie hier unverbindlich
Ihr Wunsch Probe-Abo.

to top