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Blickpunkt

»Moderne Sklaverei«

Weltgebetstag

esz/WGT e.V. Devotionalien verkauft eine Frau vor der San Pedro Cathedral in Davao City.

Am ersten Freitag im März feiern Christen in mehr als 100 Ländern den Weltgebetstag in ökumenischen Gottesdiensten, in diesem Jahr am 3. März. Die Liturgie dazu stammt von den Philippinen. Schwester Mary John Manzanzan kommt aus Manila und setzt sich für bessere Lebensbedingungen für Frauen ein.

Brigitte JähnigenSchwester Mary John Mananzan (unten) trat mit 19 Jahren in den Orden der Missionsbenediktinerinnen ein und studierte in Münster und Rom Theologie.

In der Flagge der Philippinen steht die Farbe Rot für Mut, Tapferkeit, Ritterlichkeit und Entschlossenheit. So gesehen ist die 80-jährige Ordensschwester Mary John Mananzan eine echte Filipina. Zeit ihres Lebens setzt sich die Missionsbenediktinerin für Bildung und die Rechte der Frauen ein. Sie arbeitete als Lehrerin, Dekanin, leitete sechs Jahre das St. Scholastica‘s College, eine der größten Mädchenschulen in Manila, und prägt die Arbeit von einer Vereinigung von Theologinnen und Theologen der Dritten Welt. Auf ihre Initiative entstand das Institut für Frauenstudien in Manila, deren Direktorin sie ist. Schwester Mary John ist weltweit vernetzt. Bei einem Besuch in Stuttgart befragt nach ihrem stärksten Credo, sagt sie sehr entschieden: »Ich bin eine betende und wirkende Mystikerin, und das ist für mich kein Widerspruch.«

Patriarchalische Gesellschaft begünstigt Unterdrückung

Frauen auf den Philippinen, auf denen sich 81 Prozent zur römisch-katholischen Konfession bekennen, lebten in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft, zur Genderpolitik gehöre die Aufklärung der Männer. In bisher 500 Seminaren habe sie mit Männern zur Gleichberechtigung der Geschlechter gearbeitet, begonnen hat sie mit Professoren, Polizisten, Seminaristen, Priestern. Es sei nicht die Natur des Mannes, Frauen zu unterdrücken, es sei die Prägung durch die patriarchalische Gesellschaft. »Ich habe ihnen gesagt, über Generationen wird an euer Unterbewusstsein weitergegeben, ihr hättet ein absolutes Recht auf den Leib und Geist der Frauen«, berichtet sie. Nur so sei Vergewaltigung möglich.

Vor allem Frauen arbeiten im Ausland

Schwester Mary John nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie über moderne Sklaverei spricht. Auch wenn das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichne, arbeiten zehn Millionen Filipinos als Gastarbeiter im Ausland. Die Mehrheit seien Frauen, die mit ihrem Lohn als Krankenschwester, Hausangestellte, Kindermädchen oder im Service ihre Familien in der Heimat unterstützen. Im Jahre 2009 waren es 17 Milliarden Dollar, die per Überweisung aus dem Ausland in die Präsidialrepublik gingen. »Die Kinder der Frauen, die ins Ausland gehen, bleiben bei den Großeltern zurück, viele Familien zerbrechen, die Schüler, die in unseren Schulen zu psychologischen Beratungen kommen, sind zu 90 Prozent Kinder, deren Eltern im Ausland leben«, sagt Schwester Mary John.

Arbeitgeber vergewaltigen Angestellte

In einer eigenen Fernsehshow hat die Ordensfrau Schicksale von Frauen vorgestellt, die im Ausland misshandelt wurden. »Einer dieser Vorfälle passierte in Riad. Arbeitgeber vergewaltigten ihre philippinischen Angestellten, sie entkamen, flohen auf eine Polizeistation«, berichtet Schwester Mary John. Dort seien sie erneut vergewaltigt und zum Konsulat gebracht worden, wo man ihnen ein Rückflugticket anbot unter der Bedingung, zu Hause als Prostituierte zu arbeiten.

Wolkenkratzer und Slums in großer Nähe

Die Ursache der Migration sei ökonomischer Natur. Ein Viertel der Bevölkerung lebe in extremer Armut – Wolkenkratzer und Slums in großer Nähe geben ein Bild der Zerrissenheit der Gesellschaft. Frauen gingen ins Ausland, um ihre Familien zu ernähren. »Mehr Arbeitsplätze zu schaffen, ist politisch nicht gewollt. Über die Philippine Overseas Employment Administration (POEA) ist die Regierung an der Arbeitsmigration beteiligt«, sagt Schwester Mary John. Im Ausland aber würden den Frauen oft die Pässe weggenommen, manche machten Knochenjobs, immer wieder würden Frauen vergewaltigt. Das sei moderne Sklaverei.

Brigitte Jähnigen

Neugierig auf den Wechsel

Fastenzeit

esz Mit Beginn der Fastenzeit ist unsere Mitarbeiterin Melanie Schweinfurth im Rhein-Main-Gebiet vorwiegend mit Bus, Bahn und Fahrrad unterwegs.

Hohe Motivation und hohe Erwartungen: Melanie Schweinfurth will in den kommenden Wochen das Auto nur noch im Notfall nutzen. Doch gleich zu Beginn macht sie eine ernüchternde Feststellung: Nicht jeder Verkehrsverbund verkauft den »Autofastern« verbilligte Tickets.

Die Vorbereitungen für das »Autofasten« beginnen mit einer überraschenden Erkenntnis: Ich liebe zwar mein Fahrrad, aber einen gründlichen Frühjahrscheck habe ich meinem Rad bisher selten gegönnt. Ob Reifen oder Bremse, ob Lenkung oder Licht – beim Auto wird alles in regelmäßigen Abständen überprüft. Das Fahrrad sieht die Werkstatt hingegen oft erst dann, wenn die Reifen kein Profil mehr haben oder ermattet den Dienst versagen, wenn die Bremse seltsame Geräusche macht oder das Licht den Weg vor mir nur noch schwach ausleuchtet.

Blank geputzt und generalüberholt

Warum eigentlich, frage ich mich, als ich mein Fahrrad aus der Werkstatt abhole, wo es nicht nur gründlich gewartet, sondern auch so blank geputzt wurde, dass mir mein altes Rad neu und beinahe fremd vorkommt. Schon oft hat sich mein Fahrrad als zuverlässiges, angenehmes und nicht zuletzt umweltfreundliches Fortbewegungsmittel erwiesen. Warum also habe ich ihm bisher nicht dieselbe Aufmerksamkeit und Pflege zukommen lassen wie dem Auto? Vielleicht finde ich bald eine Antwort darauf. Spätestens Ende März, wenn die vierwöchige Auto-Fastenzeit vorbei ist.

Gespannt auf den öffentlichen Nahverkehr

Die Motivation, ab Aschermittwoch anstelle des Autos Bahn, Bus, Fahrrad und natürlich Schusters Rappen zu nutzen, ist hoch. Ebenso wie meine Erwartungen. Hat die Bahn wirklich so häufig Verspätungen wie oft behauptet wird? Kommt man in Zug oder Bus – vielleicht schon an der Haltestelle – schnell mit Mitreisenden ins Gespräch oder wird jeder für sich sein wollen? Wie wird sich meine Organisation ändern? Immerhin soll das Auto vier Wochen lang nur für jene Wege eingesetzt werden, die sich auf andere Art nur schwer oder gar nicht zurücklegen lassen. Wird meine Motivation schon bei der ersten Fahrradtour durch einen Regenschauer nachlassen?

Teilnehmer können bei einer Verlosung mitmachen

Nun, an diesem Nachmittag, Mitte Februar, regnet es nicht. Nach der ersten kleinen Radtour dieses Jahres melde ich mich zur Aktion Auto-Fasten an. Im »Mitmach-Bereich« erfahre ich von Aktionen der Verkehrsverbünde. Ich werde in den Bussen und Bahnen des Rhein-Main-Verbunds Platz nehmen und bin schon vor dem Start überrascht. Denn während »Autofaster« von den Verkehrsverbünden Rhein-Nahe, Rhein-Neckar und Rhein-Mosel vergünstigte Monatstickets erhalten, können die »Autofaster« in der Rhein-Main-Region, den Kreisen Darmstadt-Dieburg und Odenwald nicht von Vorzugspreisen profitieren. Immerhin: Wer sich auf der Seite www.autofasten.de anmeldet, nimmt an der Verlosung von Wochen- oder Monatskarten teil.

Zu umständlich, unflexibel und voll

Im Bekanntenkreis habe ich in den vergangenen Tagen häufig den Satz gehört: »Autofasten? Eine schöne Idee, bei der ich auch mitmachen würde. Aber der ÖPNV ist mir zu umständlich, zu teuer, zu unflexibel, während der Pendlerzeiten überbelegt.« Mit vergünstigten Fahrkarten während der Fastenzeit könnten die Verkehrsbetriebe den einen oder anderen Zweifler sicher noch für sich gewinnen und eventuell zum langfristen Umstieg motivieren.

Melanie Schweinfurth

Das Autofasten ist eine gemeinsame Aktion der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und im Rheinland sowie der Bistümer Trier, Mainz und Fulda, der Erzbistümer Luxemburg und Köln und des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Aachen. Mehr Informationen und Anmeldungen: www.autofasten.de.

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